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Bistum Görlitz

Fachleuten auf den Zahn gefühlt

Schüler und Studenten sprachen mit Vertretern von sozialen und kirchlichen Berufen

Kaum eine Frage blieb unbeantwortet: Jugendliche lernten in kleinen Gruppen eine ganze Menge über Berufe in der Kirche und deren Vertreter kennen.

Neuhausen (mim) -Was macht eine Ordensschwester eigentlich den ganzen Tag? Wann entscheidet sich ein junger Mann dafür, Pfarrer zu werden? Was ist schön, aber auch schwierig am Beruf eines Erziehers? Diesen und weiteren Fragen stellten sich am vergangenen Wochenende acht Referenten aus kirchlichen wie sozialen Berufen. Die Jugendseelsorge hatte zum Wochenendkurs "Perspektiven -Berufe in der Kirche" eingeladen. 13 Schüler und Studenten waren gern gekommen.

Persönliche Erfahrungen und Überzeugungen

Vertreter aus dem ganzen Bistum waren anwesend, um von ihren Berufen als Ordensfrau und Theologe, als Erzieher, Sozialpädagoge und Krankenpfleger sowie als Gemeindereferent und Diakon zu sprechen. Mit großem Interesse löcherten die Jugendlichen die Fachleute mit ihren Fragen. Und diese scheuten sich nicht, auch von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Überzeugungen zu erzählen.

So waren etwa Kaplan Matthias Grzelka aus Wittichenau und der Theologiestudent und Priesteramtskandidat Marco Dutschke aus Erfurt als Theologen anwesend. Nach einer kleinen Einführung über den Studiengang Theologie nutzen die Teilnehmer die Gelegenheit und stellten eine für sie wohl viel interessantere Frage: Warum möchte jemand Priester werden? "Ich glaube, dass die Menschen mich brauchen, denn Aufgabe eines Theologen ist es, den Menschen eine Deutung zu geben", sagte Kaplan Grzelka. "Deshalb hab ich den Beruf des Priesters gewählt und ich lebe gut so."

Einige Türen weiter stand Schwester Manfreda aus Hoyerswerda den Jugendlichen Rede und Antwort. Sie ist Leiterin und Erzieherin im katholischen Kinderhaus St. Elisabeth in Hoyerswerda. "Für die Kinder können wir uns nicht genug einsetzen, denn sie sind unsere Zukunft und die Grundlage unserer Gesellschaft", appellierte sie an die Zuhörer. Gespannt lauschten diese, wie Schwester Manfreda voller Begeisterung von ihrem Beruf erzählte: "Wisst ihr, Kinder machen so viel Freude, denn Tag für Tag seht ihr das Leben heranwachsen." Aber die Erzieherin verschwieg ebenso nicht, dass es auch Enttäuschungen in dem Beruf gibt: "Sicher gibt es auch Kinder, um die man sich müht, die aber verschlossen bleiben. So was ist nicht leicht, aber es gibt keinen Beruf, in dem man vor Schwierigkeiten sicher ist."

"Meine Kutte ziehe ich zum Schlafen aus."

Für besondere Erheiterung unter den jungen Menschen sorgte Schwester Gebhardis, Clemensschwester aus Cottbus. Mit viel Humor und ohne Berührungsängste plauderte sie aus dem Leben als Ordensfrau. "Um sechs Uhr fängt mein Tag mit dem Gebet an. Nun, in der dunklen Jahreszeit ist das manchmal auch ein halbes Stündchen später", zwinkerte sie den Jugendlichen zu und zeigte ihnen ein kleines Büchlein für das tägliche Gebet. Offen beantwortete sie die Frage, ob eine Ordensfrau auch im Bett Einheitskleidung tragen muss. "Nein, das ist heute nicht mehr so", sagte sie. Und scherzhaft fügte sie hinzu: "Und meine Kutte ziehe ich auch zum Schlafen gehen aus." Doch Schwester Gebhardis sprach auch über die belastenden Seiten ihres Berufes als Klinikseelsorgerin: "Ich bin viel im Krankenhaus unterwegs. Das Schöne daran ist, dass ich die Menschen ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten kann. Dazu gehört aber auch, Krisen von Kranken mitzutragen. Und ich sage euch ganz ehrlich: Daran hab auch ich manchmal zu knacken. Dann ist das Gebet zu Gott meine persönliche Kraftquelle, und das hilft", lächelte sie.

Am Ende tauschten die Jugendlichen auch außerhalb der Gesprächskreise noch viele Gedanken mit den Referenten aus. Erschöpft von der Masse der Informationen und Eindrücke waren sich aber alle einig: "Es war sehr spannend, all die Fragen einmal stellen zu können, die einen interessieren."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 13 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 07.04.2003

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