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Auf zwei Minuten

Christus im Leben der Nichtchristen

Auch wenn einer nie etwas von Jesus gehört hat, kann er eine Beziehung zu ihm und dadurch zu Gott ha

Pater Damian

Der vietnamesische Mönch und Zen-Meister Thich Nhat Hanh hat viel über die Verbindungen von Buddhismus und Christentum nachgedacht. Er schreibt: "In seinem Buch ,Die Schwelle der Hoffnung' äußert sich Papst Johannes Paul II.: ,Wenn Christus nur ein Weiser wäre wie Sokrates, ein Prophet wie Mohammed oder ein Erleuchteter wie Buddha, dann wäre er mit Sicherheit nicht, was er ist. Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen.' Hinter dieser Aussage steht der Gedanke, dass das Christentum den einzigen Weg zur Erlösung bietet und alle religiösen Traditionen wertlos sind. Diese Haltung schließt jeden Dialog aus und fördert die religiöse Intoleranz und Diskriminierung. Sie ist nicht hilfreich."

Ich vermute, viele Zeitgenossen werden den kritischen Worten des Mönchs zustimmen und der Kirche Intoleranz vorwerfen. Mir scheint diese Erklärung aber auf einem Missverständnis zu beruhen. Zunächst: Die religiösen Traditionen außerhalb des Christentums sind nicht wertlos. Das Zweite Vatikanische Konzil hat, nachdem es die Heilswege Israels und der Muslime dargestellt hat, erklärt: "Aber auch den anderen, die in Schatten und bildern den unbekannten Gott suchen, auch solchen ist Gott nicht ferne ... und als Erlöser will er, dass alle Menschen gerettet werden. Wer nämlich das Evangelium Christi und seien Kirche ohne Schuld nicht kennt, Gott aber aus ehrlichem Herzen sucht, seinen im Anruf des Gewissens erkannten Willen unter dem Einfluss der Gnade in der Tat zu erfüllen trachtet, kann das ewige Heil erlangen" (Lumen gentium Nr. 16).

Was wird aber dann aus dem Anspruch des christlichen Glaubens, dass Jesus Christus der einzige und umfassende Mittler zwischen Gott und zum letzten Heil aller Dinge in Gott ist (vgl. 1 Tim 2,5)? In Jesus Christus hat Gott sich selbst in der unendlichen Fülle seiner Liebe an die Menschen verschenkt, und auf diese Weise nur in ihm. Wie bringt man beides zusammen: einerseits den umfassenden Willen Gottes zum Heil aller Menschen (vgl. 1 Tim 2,4) und andererseits die unlösbare Bindung dieser Beziehung an eine Beziehung zu Jesus Christus? Die Antwort könnte sein: Auch wenn einer nie etwas von Jesus Christus gehört hat, kann er eine Beziehung zu ihm und dadurch zu Gott haben. Wie? Indem er wie Jesus sagt -"den Willen meines himmlischen Vaters erfüllt" (vgl. Mt 12,50). Was ist dieser Wille Gottes, der allen zugänglich und für alle erfüllbar sein soll, auch für die, die Christus nicht kennen und ihn nicht als "Herrn" anrufen? Es ist vor allem die Liebe zum Nächsten, der Not leidet. Verschiedene Gleichnisse und einzelne Worte Jesus verdeutlichen einen Kernsatz seiner Botschaft: "Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Mt 25,40). Wer so handelt, für den gilt die Verheißung: "Kommt her, ... nehmt das Reich in Besitz!"

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 07.04.2003

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