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Bistum Görlitz

"Kinder wissen, was gut ist"

Das Kinderhaus St. Raphael Finsterwalde beging zehnjähriges Bestehen

Beim Waldtag wird ein Baum gepflanzt: Die Kinder lernen, mit der Natur zu leben.

Finsterwalde -Der neue Pfarrer kam rechtzeitig zum Geburtstag. Mit Interesse lauschte Christoph Kliemank der Geschichte des Kinderhauses St. Raphael in Finsterwalde. Und eine seiner ersten Amtshandlungen am vergangenen Montag war die Weihe einer neuen Marien-Figur für die Einrichtung, die jetzt im Eingangsbereich die Besucher begrüßt.

Am 1. März jährte sich zum zehnten Mal der Gründungstag der katholischen Kindertagesstätte in der Sängerstadt. Richtig gefeiert wird aber erst am 25. Mai mit einem großen Sommerfest, verrät die stellvertretende Leiterin Angela Hille. Dazu sind dann alle eingeladen: Die Gemeinde, Eltern, Erzieher, Nachbarn und natürlich: Die Kinder.

Die Idee für die Errichtung eines katholischen Kindergartens in Finsterwalde nach der Wende hatte Pfarrer Thomas Thielscher, seit kurzem Pfarrer in Wittichenau. "Die Gemeinde sah dies als eine Chance und als eine neue Möglichkeit", erinnert sich Erzieherin Hannelore Homagk, die zusammen mit der Franziskanerin, Schwester Evelin Kahl, die ersten beiden Gruppen in den Räumen der ehemaligen Kinderkrippe betreute.

Ein Teil des Hauses, bis zum Kriegsende Fabrikantenvilla, wurde damals von der benachbarten Caritas-Kreisstelle genutzt. Die Gemeinde erwarb Haus und Grundstück. Ehe es aber mit dem Kinderhaus richtig losgehen konnte, waren noch umfangreiche Sanierungsarbeiten notwendig. "Die Räume waren sehr dunkel und die Decken kaputt", sagt Frau Homagk im Rückblick. Unterstützt wurden die Bauarbeiten immer wieder durch ehrenamtliche Helfer aus der Gemeinde, besonders durch die Eltern, die das Haus in der Geschwister-Scholl-Straße schon bald als "ihren Kindergarten" betrachteten und kräftig Hand anlegten.

Unterstützung durch Sponsoren und Spender

Aber auch das Bistum Görlitz, das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken, viele Sponsoren und großzügige Spender haben dazu beigetragen, dass der Kindergarten Gestalt annahm. Nachdem am 1. März 1993 der offizielle Betrieb begann, gingen die Arbeiten weiter. "Wir hatten in den ganzen Jahren eigentlich immer Handwerker im Haus", sagt Angela Hille.

Hannelore Homagk verschweigt nicht, dass es am Anfang auch Schwierigkeiten gab, besonders was die Vorurteile gegenüber kirchlichen Trägern betraf. Manche Eltern konnten erst nicht glauben, dass ihre Kinder nicht "den ganzen Tag knien müssen", meint Frau Homagk scherzhaft. Inzwischen hat sich dieses Misstrauen aber gelegt. Neben dem evangelischen Kindergarten, der schon zu DDR-Zeiten bestand, ist das Kinderhaus St. Raphael die zweite kirchliche Einrichtung dieser Art in Finsterwalde. Zurzeit besuchen 53 Kinder in drei Gruppen die Kindertagesstätte, fünf Erzieherinnen und ein Zivildienstleistender kümmern sich um das Wohl der zwei- bis sechsjährigen Mädchen und Jungen.

Kinder fördern statt fordern ist die Devise

"Die beiden Grundpfeiler unserer Arbeit sind der kirchliche Jahreskalender und der Jahresablauf in der Natur", erläutert Hannelore Homagk das erzieherische Konzept. Unter dem Motto "Hilf mir, es selbst zu tun" orientiere man sich an der so genannten Montessori-Pädagogik, wonach man nicht fordernd, sondern fördernd auf die Bedürfnisse der Kinder eingeht. So stellen sich die Kleinen ihre eigenen Regeln auf, die Erzieherin ist ein Teil der Gruppe und versucht sie dahin zu führen, was sie selbst gern tun wollen. "Kinder wissen genau, was gut ist", weiß Frau Homagk aus ihrer täglichen Arbeit. Das Jahresthema dürfe nicht von oben herab gestaltet werden, damit noch Raum für Spontanität bleibe.

Besonders wichtig ist den Mitarbeiterinnen von St. Raphael aber die Umwelterziehung, denn die Natur, so Frau Homagk, sei "etwas ganz Wertvolles, aber auch Zerbrechliches". Die Kinder betrachten sich Sonne, Mond und Sterne und wie sie sich im Laufe des Jahres verändern. In die "Naturecke" legen sie Gegenstände, die sie draußen gesammelt haben: Steine, Tannenzapfen, Federn. Jeder dieser Gegenstände hat seine besondere Geschichte. Höhepunkt im vergangen Jahr war der "Waldtag" zusammen mit den Eltern, bei dem die Kinder einen Wacholder- Baum pflanzten. Jetzt zieht so mancher am Wochenende mit Mama und Papa los, um zu gucken, ob der Baum gewachsen ist. Und auf eins freuen sich in Finsterwalde natürlich alle: Auf das große Raphaelsfest im Mai.

Andreas Schuppert

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 07.04.2003

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