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Bistum Erfurt

Auslaufmodell in Raten?

Die Bundesregierung plant weitere Einsparungen beim Zivildienst / Auswirkungen im Bistum Erfurt

Zivildienstleistende: Für die Sozialarbeit unentbehrlich.

Erfurt (cpd) -Die geplanten Sparbeschlüsse der Bundesregierung im Bereich Zivildienst, zurzeit im Vermittlungsausschuss des Bundesrates, werden die Caritas-Einrichtungen in den Bistümen Erfurt und Magdeburg mehr als 230 000 Euro in diesem Jahr kosten. Die Reduzierung der Erstattungspauschale um 20 Prozent erhöht die monatlichen Kosten für einen Zivildienstleistenden um rund 68 Euro. Zusätzlich droht noch eine weitere Kürzung der Zahl der Zivildienstleistenden.

Dieser Dienst wird damit für Thomas Müller, Zivildienst-Referent beim Diözesan-Caritasverband Erfurt, immer mehr zum "Auslaufmodell in Raten". Werden tatsächlich noch einmal 20 Prozent der bislang bewilligten Einberufungen in diesem Jahr gekappt, kann die zuständige Verwaltungsstelle Zivildienst bis Juni keine Zivis mehr einberufen.. Die 181 Zivildienststellen im Bereich der Bistümer Magdeburg und Erfurt könnten zwischen März und Oktober die frei werdenden Plätze nur noch sehr eingeschränkt besetzen.

Aber "noch härter trifft es die jungen Männer", erklärt Thomas Müller. Wenn ihre Einberufung unklar bleibe oder sich verzögere, gebe es Probleme mit einem Studienbeginn oder den Bewerbungen für einen Arbeitsplatz. Schon in den vergangenen Jahren sei die Zahl der Zivildienstleistenden bundesweit aufgrund von Sparvorgaben des Finanzministeriums gedeckelt und schrittweise von 138 000 auf 114 000 Zivis zurückgefahren worden. Damit verlasse der Staat seine bisherige Grundrichtung, nach der jeder anerkannte Kriegsdienstverweigerer auch Zivildienst leisten muss.

Der Abbau des Zivildienstes wird die Arbeit der Caritas in den Verbänden und Einrichtungen nicht in den Kernaufgaben gefährden. Caritasdirektor Bruno Heller weist aber darauf hin, dass wegen fehlender Zivis viele Zusatzangebote künftig nicht mehr möglich sein werden. "Gerade diese Zusatzangebote sorgen über das Notwendige hinaus für mehr Lebensqualität zum Beispiel in Alten- und Behindertenheimen", sagte Direktor Bruno Heller.


ZIVILDIENST

Der Zivildienst ist ein Ersatzdienst für wehrpflichtige junge Männer, die aus religiösen oder moralischen Gründen den Kriegsdienst verweigern und als solche staatlich anerkannt sind. Zivis verrichten Tätigkeiten, die dem Allgemeinwohl dienen, vor allem im sozialen Bereich. Die Arbeitsfelder erstrecken sich aber inzwischen auch auf andere Bereiche wie Umweltschutz oder Verwaltung. Die Organisation ist im Bundesamt für Zivildienst zusammengefasst.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 10 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Montag, 07.04.2003

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