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Auf zwei Minuten

Fasten im prophetischen Sinn

Fasten als Umkehr zu den wichtigen Dingen

Pater Damian

Aus dem Programm einer regionalen katholischen Erwachsenenbildung: "Ganzheitliches Fasten im Alltag. Fasten bewirkt eine Entschlackung, Regenerierung und Reinigung des Körpers. Darüber hinaus hat das Fasten eine spirituelle Dimension: Es verhilft zu innerer Freiheit und Offenheit, lenkt den Blick auf das Wesentliche im Leben und kann zu größerer Lebendigkeit von Leib, Geist und Seele führen. So kann das Fasten zum Heilwerden des ganzen Menschen beitragen." Wer unter Leitung eines Fastenbegleiters an einem solchen gemeinschaftlichen Fastenprogramm mit geistlichen Impulsen, mit Gebet und meditativen Übungen und Erfahrungsaustausch teilnimmt, geht sicherlich mit Gewinn für Leib und Seele in den Alltag zurück. Und das ist mehr als das nur rituelle Fasten an Aschermittwoch, Karfreitag und eventuell auch an allen Feiertagen der österlichen Bußzeit. Auch ein solches reduziertes Fasten hat seinen Wert, wenn es in rechter Gesinnung geschieht. Der Prophet Jesaja aber fordert mehr vom Fasten. Er verlangt Umkehr.

Ihm geht es um recht praktische Dinge. Gerechtigkeit und Nächstenliebe müssen mit dem Fasten einhergehen, um Gott zu gefallen. Religiöse Feste und kultische Verpflichtungen und Opfer allein zählen nicht: "Eure Neumonde und Feiertage sind mir in der Seele verhasst, sie sind mir zur Last geworden, ich bin müde, sie zu ertragen ... Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben!" (Jes 1,13-16). Und gegen Schluss mahnt Tritojesaja (der dritte -anonyme -Mitverfasser des Jesajabuches) an: Die Erfüllung eurer kultischen Verpflichtungen kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Und er hält seine berühmte Fastenpredigt: "Seht, an euren Festtagen macht ihr Geschäfte und treibt eure Arbeiter zur Arbeit an. Obwohl ihr fastet, verschafft ihr eurer droben kein Gehör. Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag an dem man sich der Buße unterzieht: Wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten, und einen Tag, der dem Herrn gefällt? Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen in dein Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen ..." (Jes 58,3-7). Wie aktuell diese kräftige Fastenpredigt ist, bedarf keines Kommentars, wenn wir die Weltlage, die gewaltige Schere zwischen den Reichen und Armen im Auge haben.

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 22.03.2003

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