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Aus der Region

Papst ruft: "Nie wieder Krieg!"

Nuntius bleibt im Irak / Johannes Paul II. erinnert an eigene Kriegserlebnisse

Papst Johannes Paul II. zeigte sich beim sonntäglichen Friedensappell am 16. März auf dem Petersplatz vom Fenster seiner Privatwohnung aus kämpferisch wie selten zuvor.

Bagdad/Vatikanstadt (kna) - Der Apostolische Nuntius im Irak, Erzbischof Fernando Filoni, hat von einer Welle von Sympathiebekundungen aus der irakischen Bevölkerung für die Vatikan-Vertretung in Bagdad berichtet. Nur wenige Stunden, bevor der US-amerikanische Präsident seinem Kontrahenten Saddam Hussein das kriegsentscheidende Ultimatum stellte, berichtete der Erzbischof im Gespräch mit Radio Vatikan, die Menschen im Irak seien froh über die Anwesenheit des vatikanischen Botschafters, der anders als die übrigen Diplomaten das Land auch im Kriegsfall nicht verlasse. "Wir bekommen moralische Unterstützung von außen. Viele Gläubige beten für uns, zahlreiche Menschen rufen an, um uns ihre Solidarität und Unterstützung auszudrücken - und die gilt der Nuntiatur, aber auch der gesamten Kirche", erklärte der italienische Erzbischof. Filoni berichtete weiter, das Alltagsleben in der irakischen Hauptstadt gehe auch bei der christlichen Minderheit seinen üblichen Gang. Noch am Sonntag habe die chaldäische Kirche in Bagdad eine Priesterweihe gefeiert, an der zahlreiche Gläubige teilgenommen hätten. Mit rund 400 000 Menschen ist die mit Rom vereinte chaldäische Kirche die größte christliche Konfession im überwiegend muslimischen Irak.

Angesichts der wachsenden Kriegsgefahr am Persischen Golf hatte sich Papst Johannes Paul II. zuvor erstmals in einem öffentlichen Appell direkt an den UN-Sicherheitsrat gewandt. Beim Angelusgebet auf dem Petersplatz sagte der Papst am Sonntag, die Mitglieder sollten bedenken, dass Gewaltanwendung nach der UN-Charta nur das letzte Mittel nach der Ausschöpfung aller friedlichen Alternativen sein dürfe. Zugleich erinnerte er, an die "schrecklichen Konsequenzen" eines Militärschlags für die Zivilbevölkerung und für das Gleichgewicht im Nahen Osten.

Abweichend von seinem Redemanuskript sprach der 82-Jährige dann sichtlich bewegt von seinen eigenen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. Er habe die Pflicht, die Jüngeren, die diese Erfahrungen nicht gemacht hätten, an die Schrecken des Krieges zu erinnern und wie sein Vorgänger Paul VI. bei seiner ersten Rede vor der UNO auszurufen: "Nie wieder Krieg!"

In seinem persönlichsten Friedensappell seit Ausbruch der Irak-Krise betonte der Papst, angesichts der von ernsten Ungleichgewichten und Gewalt gezeichneten Menschheit gelte es, das Vertrauen auf Gott nicht zu verlieren. Die Kraft des Guten werde letztlich das Dunkel des Zweifels und des Bösen überwinden. An die Gläubigen appellierte der Papst das Gebet für den Frieden zu verstärken.

Mit scharfen Worten reagierte der Vatikan auf die Rede von US-Präsident George Bush vom Montagabend. Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls verbreitete am Dienstag folgende Erklärung: "Wer entscheidet, dass alle friedlichen Mittel, die das Völkerrecht zur Verfügung stellt, ausgeschöpft sind, nimmt eine große Verantwortung vor Gott, seinem Gewissen und der Geschichte auf sich."

Zitat

In einem Interview mit Radio Vatikan hat der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und frühere Vatikan-Vertreter bei der UNO, Erzbischof Renato Martino, zum Gebet aufgerufen, damit nicht die "biblischen Plagen eines schrecklichen Krieges" über die Menschheit hereinbrechen. Wörtlich mahnte Martino: "Gib nicht dem Kind, das um Brot bittet, einen Stein. Und einem Volk, das seit zwölf Jahren nach Brot verlangt, will man 3000 Bomben geben."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 22.03.2003

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