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Bistum Görlitz

Die Klientel hat sich verändert

Schwangerschaftsberatung der Caritas Cottbus: Finanzielle Armut in den Familien wächst

Ängste von Schwangeren durch Informationen abbauen: Veronika Lattig (links) und Christa Schmalhofer stehen werdenden Müttern zur Seite.

Cottbus (mim) -"Unsere Arbeit hat sich verändert", sagt Christa Schmalhofer, Sozialarbeiterin der kirchlichen Schwangerschaftsberatung der Caritas- Kreisstelle Cottbus. "Aber ruhiger ist es keineswegs geworden. Der Bedarf an Schwangerschaftsberatung ist hoch, auch ohne Beratungsschein."

Seit 1. Januar 2001 verzichten katholische Schwangerschaftsberatungsstellen laut Beschluss der deutschen Bischöfe auf die Ausstellung eines Beratungsnachweises, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist. Das ist auch im Bistum Görlitz so. In der Caritas-Beratungsstelle Cottbus ist dennoch die Zahl der Beratungsgespräche von jährlich 221 Erstkontakten im Jahre 2000 auf 296 im Jahre 2002 gestiegen.

Frauen haben sich bereits für ihr Kind entschieden

Mit Unterstützung von Veronika Lattig im Bereich der Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist Frau Schmalhofer bereits seit 1992 in der kirchlichen Schwangerschaftsberatung der Caritas- Kreisstelle Cottbus tätig. In einer kleinen hellen Wohnung unweit des Bahnhofs sind die Beratungsräume zu finden. An drei Tagen in der Woche steht Christa Schmalhofer Schwangeren mit Rat und Tat zur Seite. "Stündlich kommen Frauen, Paare oder Eltern mit ihren Töchtern zu uns", sagt Frau Schmalhofer. "Sie haben sich größtenteils bereits für ihr Kind entschieden. Eine Entscheidung, ob eine Frau ihr Kind austragen möchte oder nicht, steht nur noch in ganz seltenen Fällen an."

Die soziale Beratung, die nach Angaben von Frau Schmalhofer schon immer einen großen Teil der Schwangerschaftsberatung ausmachte, prägt nun ausschließlich die Arbeit der Beraterinnen. Fragen zur Schwangerschaft und Geburt, mögliche Behinderungen des Kindes und vor allem finanzielle Probleme stehen im Vordergrund. "Wir stellen Anträge auf finanzielle Unterstützung, etwa bei der Bundesstiftung "Mutter und Kind -Schutz des ungeborenen Lebens" , erklärt Veronika Lattig, diplomierte Ehe-, Familien und Lebensberaterin. Allein im Jahre 2002 waren es 153 Anträge bei der Bundesstiftung. Die bewilligte Summe, die werdenden Müttern gemäß der Richtlinien zugute kam, betrug dabei 78 560 Euro. Im Vorjahr lag die Zahl noch bei 113 Anträgen und einer bewilligten Summe von 92 600 Mark (47 345 Euro).

"Jedoch geht es bei unserer Arbeit nicht ausschließlich um finanzielle Unterstützung. Neben rechtlichen Fragen kommen viele werdende Mütter mit einem urmenschlichen Bedürfnis hierher", so Frau Lattig. "Sie suchen jemanden, mit dem sie Sorgen, aber auch Freude auf ein Kind teilen können. Jemand, der ihnen zuhört." Meist bleibt der Kontakt zu den Beraterinnen auch nach der Geburt des Kindes bestehen. "Es ist einfach schön mitzuerleben, wie sich die Zukunftsangst der werdenden Mütter plötzlich in Freude über ein neu geborenes Leben wandelt."

Dabei spielt Nationalität oder Religion der Hilfe Suchenden bei der kirchlichen Schwangerenberatung keine Rolle. "Bei uns bekommt jeder Unterstützung. Ganz im Sinne der christlichen Nächstenliebe", so Frau Lattig. "Schade ist nur, dass wir ein bestimmtes Klientel der Schwangeren nicht mehr erreichen. Die, die eine Abtreibung wollen, werden nicht mehr zu uns kommen, denn sie wissen, dass sie hier keinen Beratungsschein erhalten", bedauert sie.

Immer mehr Schwangere suchen Rat

Wie groß der Bedarf an kirchlicher Schwangerschaftsberatung dennoch ist, zeigen die aktuellen Statistiken der Beratungsstelle in Cottbus. Seit Anfang des Jahres bis Mitte März haben bereits 125 Frauen mit der Schwangerschaftsberatung Kontakt aufgenommen, im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 117. Damit setzt sich die jährlich kontinuierlich steigende Tendenz fort. "Die steigenden Zahlen zeigen die große finanzielle wie soziale Armut der Frauen", so Christa Schmalhofer. "Die Situation in den Familien wird immer schwieriger. Viele sind arbeitslos, leben von Sozialhilfe oder sind gar allein erziehend."

"Wir können nur hoffen weiterhin finanziert zu werden, damit wir den Frauen erhalten bleiben", sind sich beide Beraterinnen einig. Momentan wird die Beratungsstelle ausschließlich vom Bistum getragen. Das Land Brandenburg hat sich mit Wegfall des Beratungsnachweises vollkommen aus der Finanzierung zurückgezogen.

Schwangerschaftsberatung der Caritas Cottbus,
Südstraße 1,
Tel. (03 55) 2 50 64.
Sprechzeiten:
dienstags von 13 bis 18 Uhr,
mittwochs und donnerstags von 9 bis 13 Uhr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 22.03.2003

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