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Aus der Region

Begegnungen mit der Bibel

Ein Projekt in Niederorschel

Eine begehbare Bibel war das Ergebnis eines Projektes zum Jahr der Bibel, an dem sich Kinder und Jugendliche aus Niederorschel beteiligt haben. Zu sehen war das Ergebnis im Gemeindehaus des Eichsfeldortes (siehe nebenstehenden Beitrag). Der TAG DES HERRN sprach mit Markus Könen, der als Praktikant in der Pfarrgemeinde arbeitet und die Idee hatte:

Frage: Herr Könen, wie ist die begehbare Bibel entstanden?

Könen: Auslöser war natürlich das Jahr der Bibel und speziell für uns die Frage, wie wir junge Leute wieder für die Bibel begeistern können. Im Religionsunterricht habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen abschalten, sobald die Bibel herausgeholt wird. Ein Grund dafür ist, dass sie Schwierigkeiten haben, die biblischen Texte zu verstehen. Was kann man dagegen machen? Bei der Suche nach einer Antwort ist unser Projekt entstanden. Grundgedanke sind die vielen Geschichten, die in der Bibel darüber erzählt werden, wie Menschen einander und wie sie Gott begegnet sind. Da ist zum Beispiel die Geschichte vom blinden Bettler Bartimäus, den Jesus geheilt hat. Was heißt es, blind zu sein, haben sich die Jugendlichen gefragt. Das Ergebnis ist ein Sinnengarten, der einen Eindruck vermittelt, wie ein blinder Mensch seine Umwelt wahrnimmt. Dadurch dass die Jugendlichen versucht haben, solche Geschichten kreativ umzusetzen, haben sie auf eine neue, ganz praktische Art und Weise eine Begegnung mit der Bibel erlebt.

Frage: Das Eigentliche ist also während des Projektes passiert. Was wollen Sie mit der Ausstellung dem Besucher vermitteln?

Könen: Die Ausstellung soll auch dem Besucher helfen, in der Begegnung mit den dargestellten Personen einen neuen Zugang zu den biblischen Geschichten zu finden. Vielleicht stößt er dabei auf etwas Spannendes oder Neues. Das kann einmal die Entdeckung sein, dass die biblischen Geschichten etwas mit mir zu tun haben. So wie Jesus sich an einen einsamen Ort zurückgezogen hat, kann der Besucher sich in eine Spirale aus Stoffbahnen zurückziehen, an deren Ende er sich selbst in einem Spiegel erblickt. Eine Entdeckung kann aber auch eine ihm bisher unbekannte Bibelstelle sein. An die Toilettentüren beispielsweise haben wir einige Verse aus dem Buch Deuteronomium (23,13- 15) geheftet. Dieser Bibeltext, den man beim Sonntagsgottesdienst in der Kirche nicht hört, enthält die Anweisungen für den Ort der Notdurft in einem israelitischen Heerlager.

Frage: Also hat der gute alte Bibelkreis ausgedient und an seine Stelle tritt der Bibel-Erlebnispark?

Könen: Bibelkreise sind nicht überflüssig geworden. Auch wir haben -bevor wir an die praktische Umsetzung gegangen sind -in den einzelnen Gruppen über die Bibelstellen gesprochen. Die Texte wurden gelesen und es gab eine Art Schriftgespräch. Eine positive Erfahrung dabei war übrigens, dass bei den jungen Leuten doch noch relativ viel Wissen über die Bibel vorhanden ist.

Frage: Die Bibel ist ja nicht nur alte Literatur, sondern für den Christen auch das Buch, das ihn als Wort Gottes in seinem Leben begleiten soll. Gilt das für Jugendliche von heute?

Könen: Teilweise. Es gibt sicherlich viele Stellen in der Bibel, mit denen übrigens nicht nur junge Leute kaum etwas anfangen können. Entscheidend im Umgang mit der Bibel ist wohl, dass es sich in diesen Texten um Menschen dreht, die trotz mancher Widrigkeiten ihr Leben in Gemeinschaft einer Familie, eines Volkes und mit einem Gott versuchen zu gestalten. Und da gibt es nicht nur für junge Leute noch genügend Anknüpfungspunkte. Voraussetzung ist, dass die Texte in eine Sprache übersetzt werden, die sie verstehen.

Frage: Das Bibeljahr ist noch am Anfang. Haben Sie einen Tipp für Gemeinden, die auf der Suche sind, was sie in diesem Jahr machen können?

Könen: Das Wichtigste ist, die Bibel in die Hand zu nehmen und in ihr zu lesen. Dann muss man versuchen, die Texte für das eigenen Leben umzusetzen. Mit Jugendlichen muss man über die Bibel sprechen und die Umsetzung kreativ gestalten. Vielleicht ist unser Projekt für andere Gemeinden ja eine Anregung. Uns hat es -trotz manch schlafloser Nacht -sehr viel Spaß gemacht.

Fragen: Matthias Holluba

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 12 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Samstag, 22.03.2003

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