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Aus der Region

"Gebet ist eine Kampfhandlung"

Was helfen Friedensgebete? -Aktionen auch im Bistum Osnabrück

Frankfurt/Main (bj) - Während das politische Ringen in der Irak-Krise weitergeht, mehren sich die Friedensgebete. Kirchliche Friedensaktivisten und Theologen sehen darin eine wichtige Ergänzung zu Formen öffentlicher Meinungsäußerung. "Wir sollten den Friedensgebeten was zutrauen, nicht nur gegen die Angst beten", sagt Gabriele Scherle, Pfarrerin für Friedensarbeit in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Sie begreife Friedensgebete "auch im Sinn von Karl Barth, dass das Gebet eine Kampfhandlung ist". Oft jedoch nähmen die Kirchen ihre eigenen Möglichkeiten zu wenig ernst. Inzwischen habe sogar die Friedens- und Konfliktforschung erkannt, dass Versöhnungs- und Vergebungsprozesse, wie sie im Abendmahl gefeiert würden, "lebensnotwendig" seien. In der Überwindung des Bösen durch die Selbsthingabe Christi werde deutlich, dass "die Frage der Gewalt mit dem Zentrum unseres Glaubens zu tun hat".

Der Franziskaner Markus Heinze warnt davor, ausschließlich in Gott den Adressaten des Friedensgebets zu sehen. Es genüge nicht, beim Gebet stehenzubleiben. Das Vorbild Jesu fordere dazu auf, für die Verwirklichung "seines Reiches, des Reiches der Gerechtigkeit und des Friedens einzutreten", sagte der Sprecher der Koordinationsstelle "Gerechtigkeit und Frieden" der mitteleuropäischen Franziskanerprovinzen. "Wir selbst und in besonderer Weise jene, die über die politische und wirtschaftliche Macht verfügen, müssen uns bekehren." Unzureichend sei ein Friedensgebet, bei dem es nur darum gehe, "in Frieden gelassen zu werden und in Frieden weiterhin unseren Wohlstand zu genießen". Ihn stimme es "nachdenklich”, wenn sich viele Menschen "nur noch von Mega-Ereignissen" zum Gebet um den Frieden bewegen ließen.

Jedes Vaterunser sei ein Friedensgebet, unterstreicht der Grazer Religionspädagoge Edgar Josef Korherr. Die Bitte "Dein Reich komme" ziele auf das "Reich der Liebe, des Lebens, der Gerechtigkeit und des Friedens", während die Bitte um Vergebung der Schuld auf den Zusammenhang von Unfrieden und Sündenverflochtenheit verweise. Auch wenn zum Gebet ein tätiger Einsatz für den Frieden hinzutreten müsse, so seien eine "endgültige Gerechtigkeit" und ein "endgültiger Friede" im Letzten nur von Gott zu schaffen. Friedensgebete zeigten, "dass auch in einem Zeitalter des Machbarkeitsglaubens der Glaube an den Geschenkcharakter eines echten und vollen Friedens nicht ganz tot ist". Er sehe sie nicht "als Ausflucht, sondern als Zuflucht zu dem, der unser aller Leben in der Hand hält".

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 7 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Sonntag, 16.02.2003

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