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Aus der Region

"Für eine Zivilisation der Liebe"

Papst Johannes Paul II. fordert zum Gebet für eine friedliche Lösung im Irak-Konflikt auf

Vatikanstadt/Mainz (kna) - Papst Johannes Paul II. hat erneut seine Hoffnung auf eine friedliche Lösung der Irak-Krise zum Ausdruck gebracht. "Beten wir gemeinsam, dass diese Region von der Bedrohung eines Krieges und weiterer Gewalt bewahrt wird", sagte der Papst am Dienstag bei einem Treffen mit orientalischen Kirchenführern im Vatikan. An die Vertreter von Kopten, Armeniern, Syrern und Äthiopiern appellierte er, sich gemeinsam und ökumenisch für eine "Zivilisation der Liebe auf der Grundlage von Gerechtigkeit, Versöhnung und Frieden einzusetzen".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, hat sich dafür ausgesprochen, den UN-Waffeninspekteuren im Irak mehr Zeit zu geben. Für eine Entscheidung im Irak-Konflikt müsse ein "verlässliches Wissen" die Grundlage sein, betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in einem Beitrag für die Bistumszeitung "Glaube und Leben".

Jeder solle sich im Blick auf eine entscheidende Festlegung im Irak-Konflikt Zurückhaltung auferlegen, bis er über ein ausreichendes Wissen verfüge, fordert der Kardinal. Zumal in der politischen Auseinandersetzung und besonders in Wahlkampfzeiten bedürfe es hier einer großen Disziplin. Lehmann betont, die im Irak vermutete Bedrohung sei sicher nicht nur vage. Es liege aber keine Notwehrsituation vor. Es sei klar, dass man keine "lupenreine Gewissheit" erhalten werde. Trotzdem plädiere er für mehr Zeit zur Klärung des Verdachts.

Pax Christi appelliert an Weltsicherheitsrat

Die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi hat den Weltsicherheitsrat aufgerufen, Druck von außen für einen Krieg gegen den Irak zu widerstehen. Stattdessen müssten die Waffeninspekteure mehr Zeit für die Vollendung ihrer Arbeit erhalten, heißt es in einem am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Schreiben der Friedensbewegung an die 15 Mitglieder des Weltsicherheitsrates. Nichts deute darauf hin, dass eine militärische Lösung unvermeidbar sei. Es seien noch nicht alle anderen Mittel ausgeschöpft. Der Irak könne ohne die Risiken und Kosten eines Krieges entwaffnet werden.

Pax Christi warnte davor, dass eine Militärintervention im Irak zu einer weit reichenden Destabilisierung in der gesamten Region führen und den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus untergraben werde. Ein nationaler Alleingang würde zudem einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, heißt es mit Blick auf die USA. An die irakische Regierung appellierte die Friedensbewegung, voll mit den UN-inspekteuren zusammenzuarbeiten und sich an alle UN-Resolutionen sowie das Völkerrecht zu halten.

Zu Friedensgebeten hat die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) die Gemeinden in ihrem Kirchengebiet aufgerufen. Es wäre wünschenswert, wenn die Friedensandachten und -gebete ökumenisch gestaltet würden, betonte EKHN-Präsident Peter Steinacker in Darmstadt unter Hinweis auf eine entsprechende Absprache mit dem Limburger katholischen Bischof Franz Kamphaus. Nach Angaben der EKHN ist es das erste Mal, dass sie ökumenische Friedensgebete beider Kirchen anregt.

Der katholische Militärbischof, Walter Mixa, hat Krieg als "allerletztes Mittel" bezeichnet, um größeres Unheil zu verhindern. Er wisse sehr wohl um die zweifelhafte Rolle des irakischen Staatschefs Saddam Hussein, sagte Mixa während einer USA-Reise. Dennoch sei er besorgt, falls es zu einem Krieg kommen sollte. Es müssten zunächst alle Verhandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 5 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 30.01.2003

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