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Bistum Magdeburg

Glaube und Einsatz gehören zusammen

Nuntius Erzbischof Giovanni Lajolo zu Gast bei Katholischer Akademie des Bistums

Viel Interesse bei Akademieabend mit dem Botschafter des Papstes: Von links: CDU-Abgeordneter Scharf, der Leiter des Katholischen Büros, Rether, Generalvikar Pfafferodt, Weihbischof Feige, Bischof Nowak, Nuntius Lajolo.

Magdeburg (ep) -Der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Giovanni Lajolo, hat die Verankerung bestimmter Werte wie Freiheit, Schutz der Familie, das Recht der Kindererziehung durch die Eltern und den Schutz des Lebens in einer künftigen Europäischen Verfassung angemahnt. Bei einer Veranstaltung der Katholischen Akademie des Bistums am 8. Januar verlangte der Nuntius zugleich, die Verfassung müsse die Anerkennung des jeweiligen Status der Kirche in den verschiedenen Ländern garantieren. Im Blick auf den ausdrücklichen, aber strittigen Bezug auf Gott in dem künftigen Dokument sagte der Nuntius, es seien inzwischen Formeln entwickelt, die sowohl die Interessen der Christen als auch der anderen Bevölkerungsgruppen berücksichtigten. "Wir müssen als Christen unsere Überzeugung vertreten, weil wir wissen, dass der ausdrückliche Bezug auf Gott die Freiheit von niemandem in Gefahr bringt, sondern garantiert", so der Vertreter des Papstes.

Bischof Leo Nowak hatte dem Nuntius zuvor bei seiner Begrüßung in der Kathedralkirche St. Sebastian dafür gedankt, dass er stets ein "offenes Herz für die besondere Diaspora- und Missionssituation in den jungen Bundesländern hat". Lajolo werde im Auftrag des Papstes auch beteiligt sein, wenn im Februar ein Vertrag zur Errichtung eines religions- pädagogischen Institutes an der Martin-Luther-Universität Halle unterschrieben wird, sagte Nowak. In seiner Predigt während des Gottesdienstes zu Beginn des ersten Akademieabends 2003 mahnte der Nuntius, sich als Kirche um alle Menschen zu kümmern. "Manchmal brauchen Menschen dringend Brot, immer aber geht es um den geistigen Hunger, damit der Mensch das ewige Heil erreichen kann", sagte der Nuntius. "Der Herr will, das wir unsere -zugegebenermaßen spärlichen -Mittel einsetzen und dabei auf ihn vertrauen." Im Blick auf die rund ein Drittel der Deutschen, die keiner Kirche angehören, sagte der Nuntius im Verlauf des Abends: "Das bedeutet nicht, dass sie gottlos sind. Gott allein weiß, was sie glauben und wie er sich ihnen zu erkennen geben will."

Akademiedirektor Hans-Joachim

Marchio griff das Wort des Tages-Evangeliums "Gebt ihr ihnen zu essen" auf und bat im Rahmen der Gottesdienst-Kollekte um eine Spende für das "Babuschka-Projekt" im Gebiet des russischen Kaliningrad (Königsberg). Mehr als 100 Sozialwaisen, die meist bei ihren Großmüttern leben, erhalten dort über die vor Ort engagierte Gemeinschaft Lumen Christi monatlich zehn Euro. Allein im Landkreis Gwardejsk / Tapiau östlich von Königsberg musste in letzter Zeit vor allem wegen Alkoholmissbrauchs zusätzlich mehr als 30 Eltern das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen werden, so dass Unterstützung für die häufig sehr bescheiden lebenden Pflegepersonen, meist die Großmütter, dringend notwendig ist, so Marchio. -420 Euro kamen durch die Kollekte zusammen.

In seinem Akademievortrag über die Kirche als ältestem "Global Player" der Welt erinnerte der Nuntius an herausragende Christen, die ihren intensiven Gottesglauben immer mit dem Engagement für die Mitmenschen verbunden hätten. Mutter Teresa als einfache Frau sei in ihrem Wirken für die Armen auch eine "politische Persönlichkeit" gewesen. In dem von Ulrich Ruh herausgegebenen Buch "Gewissen der Welt" zu Texten des jetzigen Papstes mache Ernst Wolfgang Böckenförde deutlich, wie sehr der von seinem Ausgangspunkt her missionarisch unpolitische Ansatz Johannes Pauls II. im Blick auf die Würde des Menschen eine eminent politische Wirkung entfaltet hat. Auf dem Hintergrund auch des Wirkens des früheren UNO-Generalsekretärs Dag Hammerskjöd ermutigte der Nuntius nicht zuletzt die anwesenden Politiker -unter ihnen Landtagspräsident Adolf Spotka -angesichts ihrer eigenen Glaubenserfahrung ihre Fähigkeiten zum Nutzen aller zur Verfügung zu stellen. Dabei dürfe sich politisches Handeln "nicht auf das täglich Notwendige fixieren". Bei allem nötigen Realismus seien immer auch Visionen nötig.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 3 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 17.01.2003

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