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Auf zwei Minuten

Einfach leben, um frei zu sein

Wer in die Nachfolge Jesu tritt, braucht sich nicht übermäßig um sein Leben zu sorgen

Pater Damian

Haben wir in unserer Gesellschaft jemals so viel Freiheit genossen wie heute? Freie politische Wahlen, Meinungs- und Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Berufsfreiheit, Freiheit des Ortswechsel und Reisefreiheit, Freiheit der Auswahl bei einem reichen Warenangebot und der Freizeitmöglichkeiten..

Das war hierzulande nicht immer so und ist nicht überall in der Welt so. Und wir dürfen für diese Errungenschaften dankbar sein. Die Frage bleibt: Treffen wir unsere Entscheidungen wirklich als freie Menschen? Werden wir nicht zu sehr beeinflusst und sogar gesteuert von Werbung, von Trends, wie sie uns in den Medien täglich begegnen? Und spielen nicht die öffentliche Meinung und der "Konsumzwang" als geheime Mächte mit bei unseren Entscheidungen?

Auch Ordensleute sind allzu sehr an materielle Zwänge gebunden

Die eigentliche Frage aber ist: Wozu gebrauchen wir unsere persönliche Freiheit. Freiheit "von etwas" ist nur die Voraussetzung für die Freiheit "zu etwas". Traditionell sind es die Orden der Kirche, die immer wieder versucht haben, durch Verzicht frei zu sein für das Wesentliche und Wichtigste: Für den vollen Dienst am Mitmenschen in Wort und Tat, für das Gespräch mit Gott in Meditation und Gebet. Das Zeugnis der Männer und Frauen eines Ordens ist aber im Laufe der Zeit nicht mehr so klar und überzeugend gelebt worden, wie es die Gründer der Orden im Sinn hatten. Auch die Ordensleute sind allzu sehr gebunden an materielle Zwänge, versucht vom allgemeinen Konsumverhalten und zu stark beeinflusst von Tagesmeinungen. Gott sei Dank, es gibt immer wieder Aufbrüche von Einzelnen oder Gemeinschaften, die durch Befreiung von allerlei Zwängen versuchen, frei zu sein für das Wesentliche. Solche Menschen gibt es innerhalb der Kirche und auch außerhalb.

Mahatma Gandhi, die "große Seele" genannt, war durch seinen einfachen und anspruchslosen Lebensstil frei für große Aufgaben. Er warnt vor einem Lebensstil, der den Menschen unfrei macht und so unfähig für "hohes Denken". "Hohes Denken ist unverträglich mit einem komplizierten, auf großen Aufwand gegründeten materiellen Leben, das durch den Mammonskult aufgezwungen wird. Aller Charme des Lebens ist nur möglich, wenn wir die Kunst lernen, in aller Einfachheit zu leben." Und wer in die Nachfolge Jesu tritt, braucht sich nicht übermäßig um sein Leben zu sorgen, wenn er auf das Wesentliche ausgerichtet ist. "Euch muss es zuerst um das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben" (Mt 6,33).

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.01.2003

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