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Bistum Görlitz

Wertvolle Kirchenschätze aus Gold

65 kostbare Exponate der Jacobuskirche aus Neisse (Schlesien) in Görlitz ausgestellt

Eines der Exponate: Eine Monstranz, Silber, vergoldet, mit geschliffenen Steinen, gefertigt um etwa 1740 / 1750.

Görlitz -Das Schlesische Museum in Görlitz zeigt seit kurzem kostbare Kirchenschätze der Jakobuskirche in Neisse / Schesien. Nach Erfolgen der Ausstellung im Dommuseum Hildesheim und im Haus Schlesien in Königswinter kann nun auch in der Neißestadt das außergewöhnliche Können schlesischer Künstler vom späten Mittelalter bis in die Blütezeit des 18. Jahrhunderts bewundert werden.

Seit dem 14. Jahrhundert war Neisse Hauptstadt eines geistlichen Fürstentums, des Bistumslandes der Bischöfe von Breslau. Nach der Reformation war dort die Hauptresidenz der Bischöfe von Breslau, die die Stadt auf vielfältige Weise förderten. Mitglieder der führenden europäischen Adelsgeschlechter wechselten sich auf dem Bischofsthron ab und verliehen dem Kirchenschatz durch ihre Stiftungen seinen einzigartigen Glanz.

Barocke Strahlenmonstranzen, reich verzierte Kelche, kunstvoll gestaltete Reliquiare, silberne Statuetten, Gemälde, Skulpturen und liturgische Gewänder aus kostbaren Stoffen mit Seidenstickerei waren bislang ausschließlich kirchlichem Gebrauch vorbehalten. Erstmals werden die rund 65 Exponate zusammenhängend im musealen Rahmen gezeigt.

Schätze entgingen den Zerstörungen des Krieges

Im Zentrum der Ausstellung stehen Goldschmiedearbeiten des 16. bis 18. Jahrhunderts, geschaffen von herausragenden Meistern, denn seit dem späten Mittelalter war Neisse ein Zentrum der Goldschmiedekunst. Dort entstanden im 17. und 18. Jahrhundert Meisterwerke, die den Vergleich mit führenden europäischen Zentren nicht zu scheuen brauchten. Dieser vielfach noch unbekannte Kulturkreis wird in der Ausstellung mit außergewöhnlichen Exponaten präsentiert. Den Zerstörungen in den letzten Tagen des Weltkrieges entgingen die Kunstschätze nur, weil sie vom letzten deutschen Prälaten Carl Wawra hinter dem Altarraum eingemauert wurden.

Heute werden die Kunstwerke von der polnischen Gemeinde als altes schlesisches Kulturgut bewahrt und gepflegt. Als Zeichen der Aussöhnung in guter polnischer Nachbarschaft wird die großartige Kollektion für kurze Zeit in Deutschland gezeigt. Nach ihrer Rückkehr nach Polen werden die Kunstwerke in einer neu errichteten Schatzkammer im Glockenturm der Jakobuskirche in Neisse der Öffentlichkeit zugänglich sein.

Mit der Ausstellung im Schlesischen Museum wird in besonderer Weise die grenzüberschreitende Zusammenarbeit auf kulturellem Gebiet herausgestellt und ein Stück europäischer Geschichte anschaulich gemacht.

Helmut Bartel

Die Kirchenschätze sind noch bis zum 16. Februar im
Schlesischen Museum Görlitz,
Untermarkt 4,
zu sehen.
Öffnungszeiten:
dienstags bis sonntags
von 10 bis 17 Uhr.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 2 des 53. Jahrgangs (im Jahr 2003).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 09.01.2003

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