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"Ohne Offenheit würde ich verzweifeln"

Menschen um die Kathedrale: Dompfarrer Klemens Ullmann

Dompfarrer und Dekan Klemens Ullmann Dresden (jak) - Es kann schon mal vorkommen, dass in der Dresdner Hofkirche drei ehemalige und ein amtierender Dompfarrer am Altar stehen. Für Klemens Ullmann - derzeit im Dienst - sind dies Momente eines tiefen Miteinanders. Schließlich ist es alles andere als selbstverständlich, dass sie alle in ein und derselben Stadt leben: Neben Klemens Ullmann sind dies Prälat Dieter Grande, Altpropst Günter Hanisch und Ordinariatsrat Bernhard Dittrich.
Klemens Ullmann ist seit 1988 Dompfarrer in Dresden und mit der Hofkirche eng verbunden. "Man muss eine solche Kirche einfach lieben, um irgendwie in sie hineinzupassen", betont er. Dazu kommt, dass zu diesem Amt eine gewisse Neigung zur Geschichte gehört, "die Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen." Von Anfang an war klar, dass Klemens Ullmann für eine Gemeinde da sein wollte, die weit über die Pfarrgrenzen hinausreicht. Eine Aufgabe, die wie er selbst sagt, nur mit einer großen Offenheit getragen werden kann, "ohne diese würde ich verzweifeln." Schließlich kommen Menschen mit vielfältigen Problemen - sei es seelischer oder sozialer Art - genauso, wie solche, die sich einfach nur an der Kunst der Hofkirche erfreuen wollen. Und bei allem darf nie die eigentliche Gemeinde vergessen werden. "Eine Gemeinde, die eine große Toleranz haben muss, weil sie ständig mit Gästen lebt."
Besonders wichtig ist es für Klemens Ullmann, dass es in der Hofkirche täglich feste Gottesdienstzeiten gibt. Zeiten, an denen die Menschen eingeladen sind, gemeinsam Eucharistie zu feiern. Er berichtet, dass es immer wieder andere Menschen sind, die beispielsweise zu den 18-Uhr-Messen kommen. Besonders freut ihn dabei, wenn junge Leute diese feiernde Gemeinde prägen.

Klemens Ullmann wurde am 4. März 1939 in Plauen / Vogtland geboren. Zunächst erlernte er nach der Schule den Beruf eines Gebrauchswerbers und arbeitete in der Werbebranche. Von 1958 bis 1962 besuchte er das Norbertuswerk in Magdeburg und studierte im Anschluss in Erfurt Theologie. 1968 wurde er von Bischof Otto Spülbeck zum Priester geweiht. Nach einer Kaplanszeit in Dresden-Neustadt war er von 1971 bis 1972 Sekretär bei Bischof Gerhard Schaffran. Mit ihm bereiste er die Diözese, was für seine nachfolgende Aufgabe als Diözesanjugendseelsorger - von 1973 bis 1982 - sehr vorteilhaft war. "Ich kannte die Gemeinden alle und die Gemeinden mit ihren Pfarrern kannten mich", erinnert sich Klemens Ullmann. Im Jahr 1982 ging er als Pfarrer nach Großenhain, wo er bis 1988 blieb.

Neben seiner Aufgabe als Dompfarrer ist Klemens Ullmann zugleich Dekan des Dekanates Dresden und Mitglied des Domkapitels St. Petri. An dieser Stelle verweist er auf die vielfältigen Verwaltungsaufgaben, die zur Pfarrseelsorge dazukommen. So ist er beispielsweise seit nunmehr zwei Jahren Vorsitzender der Vorbereitungskommission für das Hofkirchenjubiläum im Juni diesen Jahres und beim Katholikentag 1994 war er Leiter der Liturgischen Kommission. Dennoch ist Klemens Ullmann immer zuerst Seelsorger. Dies zeigt sich auch in seinem Verhältnis zu den Mitarbeitern in Hofkirche und Dompfarramt. "Es kommt darauf an, dass sie seelisch nicht verhungern oder mutlos werden. Ich finde für sie immer Zeit, wenn es irgendwie geht", betont der Dresdner Dompfarrer.

Besondere Freude bereiten ihm zudem die drei Glaubensgruppen, die er betreut. Eine setzt sich aus Taufbewerbern zusammen, eine andere bietet Russlanddeutschen Informationen im Glauben und die dritte Gruppe trifft sich bereits seit einigen Jahren. Klemens Ullmann dazu: "Es ist einfach eine schöne Aufgabe, weil ich so jedes Jahr aufs neue meinen eigenen Glauben durchbuchstabieren muss." Diese überpfarrlichen Angebote entstanden einfach aus dem Wunsch einiger Menschen, die nachfragten, ob es an der Hofkirche eine Art Religionsunterricht für Erwachsene gibt.

Es gehört zu Dompfarrer Ullmanns Wesen, sich schicken zu lassen. "Daher bin ich in meinen Aufgaben immer froh geworden", betont er. Aufgaben, die er als ein Stück Weiterentwicklung versteht. Dies alles ist für ihn ein Geschenk, es könnte ja auch anders sein. Dankbar ist er zudem, dass er immer gute Wegbegleiter hatte. So seine zwei Kapläne: Frank Richter, der heute Pfarrer in Aue ist und Norbert Büchner, der in Kürze Pfarrer in Pirna wird. Nicht zu vergessen ist Elke Wolf, die ihm als Haushälterin zur Seite steht. "Sie macht vieles möglich, nicht nur im Haushalt sondern im ganzen Dompfarramt", sagt Klemens Ullmann.

Jetzt freut sich der Dresdner Dompfarrer auf das Jubiläum der Hofkirche, dass ab 9. Juni mit mehreren Gottesdiensten und Veranstaltungen gefeiert wird. Dass er dann aber oft zurücktreten muss, daran hat er sich längst gewöhnt. Ist doch die Hofkirche zugleich die Bischofskirche. "Das geht aber allen Dompfarrern so", betont Ullmann.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 20 des 51. Jahrgangs (im Jahr 2001).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 17.05.2001

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