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Bistum Erfurt

Ein Ort voller Erinnerungen

Das Jugendhaus St. Sebastian in Erfurt-Hochheim feierte 50-jähriges Bestehen

In der Chronik geblättert: Das Seb hat eine bewegte Geschichte hinter sich.

Erfurt (rw / as) -Bischof Joachim Wanke kann sich noch gut an seinen ersten Wochenendaufenthalt im Jugendhaus St. Sebastian in Erfurt erinnern. "Mein Kaplan hatte mich auf das Haus aufmerksam gemacht und gesagt: Da musst du mal hin", erinnert er sich. Es war ein Wochenende über Literatur, ganz anders als es damals im offiziellen Literaturbetrieb der DDR üblich war. An vieles von damals kann sich der Bischof nicht mehr erinnern, aber: "Dieses erste Wochenende hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich später ein treuer Besucher wurde".

Das ist über 40 Jahre her. Jetzt feierte das Jugendhaus St. Sebastian in Erfurt-Hochheim sein 50- jähriges Jubiläum. Und wie den späteren Bischof hat es Generationen von katholischen Jugendlichen mitgeprägt. Viele von ihnen, die mittlerweile in die Jahre gekommen sind, haben den Gottesdienst und den Festakt besucht, alte Freunde wieder getroffen und Erinnerungen ausgetauscht. Pfarrer Gregor Arndt aus Mühlhausen, von 1989 bis 1996 Jugendseelsorger im Bistum Erfurt, hielt den Festvortrag. Dabei schaute er nicht nur auf die vergangenen fünf Jahrzehnte zurück, sondern leitete daraus auch Ausblicke und Ansprüche für die künftige Jugendarbeit in diesem Haus ab.

Im Dezember 1952 fand im umgebauten Ausflugslokal "Wilhelmshöhe" in Hochheim der erste Jugendkurs statt. Im jetzigen Jugendhaus des Bistums Erfurt, von den Jugendlichen meist einfach "Seb" genannt, finden seitdem regelmäßig Bildungsund Begegnungskurse für junge Christen statt, die hauptsächlich aus den Pfarrjugendgruppen der Thüringer Diaspora kommen.

Von vielen Jugendlichen und Mitarbeitern geprägt

Das Jubiläum war Anlass auf 50 Jahre bewegte Geschichte zurückzuschauen. Eine Geschichte, die von vielen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geprägt wurde, von weit mehr, als das Haus an diesem Festtag fassen kann. "Sicherlich werden alle, die sich mit dem Seb irgendwie verbunden fühlen -auch wenn sie nicht alle eingeladen werden konnten -das Jubiläum zum Anlass nehmen, sich an die vielen schönen Erlebnisse dort zu erinnern", hofft der Geschäftsführer des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum, Robert Weidler.

Wie fast alle kirchlichen Einrichtungen in der DDR hat das Jugendhaus vor allem stürmische Zeiten erlebt, Zeiten der Anfechtungen und Isolation. Für die katholischen Jugendlichen war es aber der Ort des Auftankens, des Vertrauens, der Besinnung und Begegnung mit Gleichgesinnten. Das zeigt die Chronik des Hauses, in der die Besucher des Jubiläums nach Herzenslust blättern konnten. 1959 zum Beispiel schreibt ein Teenager in sein Tagebuch: "Ich war wieder in Erfurt -Singen und Laienspiel. Es war wieder wunderbar. Das Erlebnis der Jugendgemeinschaft bei Gotteslob, Gesang und Spiel -herrlich ... Ein heller Fleck in all dem trüben Dreck." Aufmunterung, aber auch die Schärfung eines kritischen Geistes waren nur zwei Anliegen des Hauses.

Alois Wolf, von 1974 bis 1978 Jugendreferent, erinnert sich: "Ziel unserer Arbeit war immer die Auseinandersetzung mit weltanschaulichen Fragen, mit Problemen aus der Lebenswelt der Jugendlichen, religiöse Fragestellungen und Stärkung im Glauben." Kein Zweifel: Das Seb hat somit ein gutes Stück Kirchengeschichte in der DDR und darüber hinaus mitgeschrieben.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 52 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 19.12.2002

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