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Aus der Region

Ein Geschenk vom Bischof

Die Kirche hilft den Flutopfern: Fünf Beispiele aus Sachsen-Anhalt

Geschenkte Bibel: Bischof Nowak schenkt Flutopfern, die von der Kirche unterstützt wurden, zu Weihnachten eine Bibel.

Magdeburg / Roßbach / Wolfen / Jessen (mh) -Auch in den Advents- und Weihnachtstagen setzt die katholische Kirche ihre Hilfe für die Opfer des Augusthochwassers fort. Neben weiterer finanzieller Unterstützung gibt es mancherorts andere Zeichen der Verbundenheit, beispielsweise in Form von Weihnachtsgeschenken.

Ein besonderes Geschenk hat sich der Magdeburger Bischof Leo Nowak einfallen lassen. Allen Familien, die in seinem Bistum nach der Flut von Kirche und Caritas unterstützt wurden, hat er kürzlich einen Brief geschrieben: "Wenn ich Ihnen heute diesen Gruß sende, dann möchte ich Ihnen damit zeigen, dass nicht nur bei Ihnen, sondern auch bei uns die Flutkatastrophe nicht vergessen ist." Ein Zeichen der Verbundenheit soll eine wertvolle Bibelausgabe sein, die der Bischof in dem Brief als Geschenk anbietet. Eine Aktion, die mit Hilfe des Katholischen Bibelwerkes zustande gekommen ist. Das Bibelwerk hatte 1000 "Bibeln der Moderne" zur Verfügung gestellt. Wer das Geschenk haben möchte, kann sich beim Bischof zurück melden. "Vielleicht ist das Geschenk auch für sie eine Chance, sich erneut mit den Fragen nach dem Sinn des Lebens auseinanderzusetzen." Das Echo auf die Aktion ist überraschend positiv: Bereits in den ersten Tagen haben sich etwa 150 Familien gemeldet.

Auch das Jugendhaus des Bistums, das St. Michaelshaus in Roßbach, hat sich etwas Besonderes einfallen lassen: Am zweiten Adventswochenende waren 13 vom Hochwasser betroffene Familien eingeladen. Auf dem Programm dieser Adventstage standen ein Besuch auf der Neuenburg, Zeit zur Ruhe und zum Spielen, Märchen am Kamin, Bratäpfel und Feuerzangenbowle. "Es tat gut, mal nicht selbst planen und nachdenken zu müssen und einfach die Seele baumeln zu lassen", hieß es in den Dankesworten. Beeindruckt zeigten sich aber auch die Einlader: Sie seien Menschen begegnet, "denen die Katastrophe fast alles genommen hat, nur nicht ihre Freude am Leben und ihr Vertrauen in eine gute Zukunft in ihrem noch neu aufzubauenden Heim", sagen Ricrada Frischkemuth und Klaus Tilly von der Jugendseelsorge.

Eine Zwischenbilanz der finanziellen Hilfe für die Flutopfer hat in diesen Tagen der Caritasverband des Bistums Magdeburg gezogen: In den 100 Tagen nach der Flut seien rund drei Millionen Euro weitergegeben worden -als Soforthilfen, technische Geräte, Einrichtungs- und Heizungsbeihilfen. Während der jetzt angelaufenen dritten Unterstützungsphase, der Wiederaufbauhilfe, will die Caritas die Instandsetzung von Wohnhäusern unterstützen. Von der staatlichen Wiederaufbauhilfe werden nur 80 Prozent der Schäden übernommen. Die restlichen 20 Prozent können über die Wohlfahrtsverbände beantragt werden. Der Caritas ist es wichtig, nicht nur Geld an die Betroffenen auszuzahlen. Sie bietet auch Hilfe bei vielen damit zusammenhängenden Fragen an: "Wer braucht Hilfe beim Ausfüllen der Anträge? Wer weiß noch nichts von den staatlichen Hilfen? Wer braucht eine Schuldnerberatung?"

Ein Signal, dass das Leben weitergeht

Auch in einzelnen Pfarrgemeinden wird Bilanz gezogen: "Wir haben versucht, den betroffenen Menschen ein Signal zu geben, dass das Leben weiter geht", sagt der Pfarrer des Pfarrverbandes Wolfen, Markus Lorek. Das ist besonders mit Hilfe der Spendengelder geschehen. Dass die Spendenverteilung möglicherweise Ärger nach sich ziehen kann, will Pfarrer Lorek nicht ausschließen, aber: "Wäre es besser gewesen, nichts zu tun?"

Die Erfahrungen im Zusammenhang mit dem Hochwasser sind für Pfarrer Lorek allerdings zwiespältig. Auf der einen Seite steht beispielsweise die Erinnerung an die Atmosphäre auf den Deichen. "Diese Tage im August -das war ein Zusammenhalt fast wie in der Wendezeit 1989." Auf der anderen Seite aber fragt er: "Haben die Leute diese Katastrophe überhaupt als Anfrage an ihr Leben verstanden? Haben sie begriffen, dass vielleicht gar nicht alles so in Ordnung war, wie es bisher war?"

Auch das, was im Pfarrverband Annaburg / Jessen in den Tagen seit dem Hochwasser geleistet wurde, ist beeindruckend: Gemeindereferentin Andrea Meyer blättert den Ordner mit den Anträgen auf finanzielle Unterstützung durch. Mit 301 350 Euro aus den Mitteln des Bistums wurde über 100 Familien geholfen. "Nachdem die vielen Spenden eingegangen waren, hatten wir als Kirche einfach die Pflicht, dieses Geld an die Leute zu bringen", sagt Andrea Meyer. Deshalb sind sie und andere Gemeindemitglieder von Haustür zu Haustür gegangen. Das Geld war dabei nur eine Seite. "Genauso wichtig war die Zuwendung. Die Leute hatten einfach das Bedürfnis zu erzählen, wie es war, zu zeigen, was geschehen ist." Vielleicht war die Hochwasserkatastrophe vom August für die Kirche eine "riesige Chance", meint Andrea Meyer, denn: "Das Bild, das die Leute hier von der Kirche haben, ist nicht immer das beste." Jetzt heißt es oft: "Das habe ich nicht für möglich gehalten."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 52 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 19.12.2002

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