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Gegen das Vergessen

25 Jahre Querfurter Papier: Broschüre gibt Auskunft

Magdeburg (ep) -"Anfänge von Widerstand in der DDR" werden in einer Broschüre dargestellt, die jetzt unter dem Titel "Friede und Gerechtigkeit heute" in Magdeburg veröffentlicht wurde. Mit der von Lothar Tautz von der Landeszentrale für politische Bildung in Magdeburg erarbeiteten und von der Landesbeauftragten für die DDR-Stasi- Unterlagen in Sachsen-Anhalt, Edda Ahrberg, herausgegebenen Publikation werden Entstehung, Umstände und Wirkung des so genannten "Querfurter Papiers" dargestellt. Dessen Verfasser traten damit vor 25 Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte in der DDR ein. Der Band basiert auf einer Tagung zum Querfurter Papier im April dieses Jahres.

Der Vorsitzende des Vereins "Gegen Vergessen -Für Demokratie", Hans Koschnick (SPD), betonte bei der Vorstellung der Publikation am 8. November, wie wichtig es ist, in Schule und Politik auf die Geschichte der zweiten deutschen Diktatur aufmerksam zu machen. "Es geht nicht darum, der jungen Generation Verantwortung für die Vergangenheit aufzuerlegen, wohl aber den jungen Leuten deutlich zu machen, dass sie Verantwortung trifft, wenn Dinge wiederkommen", sagte Koschnick. Der engagierte Politiker und Bürgermeister a. D. von Mostar dankte der Landeszentrale für politische Bildung und der Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen dafür, dass sie mit der Tagung, deren Publikation und mit dem Projekt "Orte der Zivilccourage' Menschen klar machen, wie es in solchen totalitären Strukturen ist". Während der Tagung im April war zur Erinnerung an die Unterzeichnung des Papiers an der katholischen Kirche in Querfurt eine Tafel enthüllt und damit der Auftakt zum Projekt "Orte der Zivilcourage" gestartet worden.

Die Landesbeauftagte für die Stasi-Unterlagen, Ahrberg, erinnerte daran, dass es auch schon vor dem Querfurter Papier "Zehn- oder Zwölf-Punkte-Programme" gab, "die mit harten Gefängnisstrafen geahndet wurden" und wenig Verbreitung fanden. Mit dem gestarteten Projekt solle nach und nach an solche, nicht selten "weitgehend unbekannt gebliebene Zivilcourage" im Alltag erinnert werden.

Der Herausgeber der Broschüre, Lothar Tautz, verwies darauf, dass das Querfurter Papier "eine größere Wirkung erzielt hat, als die Verfasser dachten", zumal dessen Thesen in Verbindung mit der Charta 77 bis in die Gründungsdokumente der oppositionellen Gruppen in der DDR in den 80er Jahren nachwirkten.

Die 190 umfassende Broschüre besteht aus drei Teilen: Im ersten sind die Vorträge der Tagung vom April dokumentiert. Es finden sich Zeitzeugenberichte von Dieter Tautz, heute Pfarrer in Eisleben, von Dr. Claus Herold, lange Jahre Pfarrer von Heilig Kreuz in Halle, von Herausgeber Lothar Tautz und anderen. Zudem sind Grußworte und Beiträge etwa über die Charta 77 im KSZE-Prozess sowie ein Beitrag des Schirmherrn der Aktion Zivilcourage, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, wiedergegeben. Weitere 80 Seiten bieten Dokumente im Zusammenhang des Querfurter Papiers. Am Ende finden sich Informationen zum Projekt "Orte der Zivilcourage", Presseartikel darüber sowie ein Personen- und ein Literaturverzeichnis.

Die Broschüre "Friede und Gerechtigkeit heute.
Das ,Querfurter Papier' -ein politisches Manifest
für die Einhaltung der Meschenrechte in der DDR"
(Reihe Sachbeiträge, Teil 22) ist
bei der Landesbeauftragten für
die Stasi-Unterlagen, Telefon
(03 91) 5 67 50 51, erhältlich.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 12.12.2002

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