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Bistum Dresden-Meißen

Menschen auf Augenhöhe begegnen

Kapuziner in Gera geben in Ostthüringen seit zehn Jahren franziskanische Impulse

Gott loben: Bruder Peter, Bruder Paulus und Kantor Michael Formella (v.l.nr.) beim Gesang im Festgottesdienst. Bruder Paulus gehörte zu den Männern der ersten Stunde in Gera und lebt heute in Frankfurt/Main.

Gera -Sie wollen Nachbar unter Nachbarn sein, Mensch unter Menschen -einfach da sein, leben um Gutes zu tun: Die Kapuziner in Gera. Am vergangenen Sonntag feierten sie das zehnjährige Bestehen der kleinen Niederlassung in Ostthüringen.

Begonnen hatte alles in den Nachwendejahren mit der Bitte von Bischof Joachim Reinelt an die Ordensgemeinschaften in den alten Bundesländern zu überlegen, ob sie nicht im Bistum Dresden-Meißen eine Niederlassung gründen wollen. So kamen neben den Zwickauer Oblaten, den Wechselburger Benediktinern oder den Missionsbenediktinerinnen in Dresden auch die Kapuziner. Sie siedelten sich in Gera an, wo sie in der St. Elisabethgemeinde gute Aufnahme fanden. Wie in den Anfangstagen, so ist die Gemeinschaft auch heute drei Mann stark: Bruder Peter Frey arbeitet im Hospizdienst, der Notfallseelsorge, in der Krisenintervention sowie im Bereich der Beratung, Bruder Berthold Oehler ist in der Krankenhausseelsorge tätig und Bruder Lüder Kracke wird am ersten Advent als neuer Pfarrer der katholischen Gemeinde St. Maximilian Kolbe in Gera-Süd (Gera-Lusan) eingeführt. Ihre Wohnung haben die drei Kapuziner in den Geraer Bogenhäusern, zusammen mit Menschen, die von der Obdachlosigkeit bedroht sind oder von ihr betroffen waren.

Der Festtag in Gera wurde mit einem feierlichen Gottesdienst, einem Mittagessen und einer Andacht gefeiert. In seiner Predigt wies Bruder Lüder darauf hin, dass es für Christen wichtig ist, den Mitmenschen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Diese Begegnung bezeichnete Bruder Lüder als zum Reich Gottes dazugehörig. Weiter machte er deutlich, dass sich die Christen nicht dort einnisten sollten, wo das Geld und wo die Macht ist. In diesem Zusammenhang forderte er, dass sich auch der Orden der Kapuziner immer wieder klar werden muss, wohin der Weg gehen soll. Ermutigend hob Bruder Lüder hervor, dass es Christus ist "der uns auf die Beine stellt". Abschließend erinnerte er an den heiligen Franziskus, die heilige Elisabeth und an den weltbekannten Mitteldeutschen, Martin Luther, der einst sagte: "Wir sind Bettler, das ist wahr."

Nach dem Mittagessen -es gab eine einfache schmackhafte Kürbissuppe -war Zeit für Grußworte. Dankend hob dabei Andreas Zube, der Geschäftsführer der Ortscaritas Ostthüringen, das soziale Engagement der Kapuziner hervor. Stellvertretend sei das Haus Emmaus für Obdachlose genannt, das Bruder Andreas Waltermann in den 90- er Jahren aufbaute. Bruder Andreas Waltermann ist heute Novizenmeister der Rheinisch- Westfälischen Ordensprovinz der Kapuziner und kam mit anderen Mitbrüdern -einige lebten eine Zeit in Ostthüringen -zur Feier nach Gera.

Pfarrer im Ruhestand Bernhard Sahler, einst Seelsorger in St. Elisabeth, begleitete die Kapuziner in den gesamten zehn Jahren. Er betonte in seinen Worten ihre Bedeutung für Gera und gab den Wunsch Ausdruck, dass die Ordensprovinz die Niederlassung aufrecht erhalte.

Holger Jakobi

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 48 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 12.12.2002

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