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Auf zwei Minuten

Freund des Menschen

Gott ist auch einer von uns

Pater Damian

Der bürgerlich-kommerzielle "Weihnachtszauber" darf dem Christen nichts vormachen: Er darf nicht mit frommen Sprüchen die erbärmliche Wirklichkeit des Menschenlebens und unserer Welt zudecken. "Denn der Christ hängt ja als Zeichen seines Glaubens ein Kreuz, einen Galgen, an dem ein Mensch angenagelt stirbt, an die Wände, die sein Dasein beengen. Und also kann für ihn Weihnachten auch nur den Anfang des Lebens bedeuten, das in dieser Welt an diesem Kreuz endet oder im Tod, oder in der leeren Bitterkeit der totalen Enttäuschung -es kommt alles aufs selbe hinaus" (Karl Rahner).

Und doch können wir die Geburt Christi in Freude und Dankbarkeit feiern, denn durch Gottes Ankunft bei uns in der Menschwerdung seines Sohnes hat er einen entscheidenden Anfang gesetzt. Gottes Zukunft hat bei uns alle unsere Pläne und alle unsere Enttäuschungen schon längst überholt. Dieser Anfang ist die entscheidende Wende: Der menschenfreundliche Gott ist in die Enge unserer Hütten gekommen. Die Ewigkeit ist schon in unserer Zeit eingebrochen, die Zukunft hat begonnen, das Leben ist der Kern des Todes, die Liebe stärker als der Hass, die Bosheit des Menschen besiegt von der Gnade Gottes.

Gott ist einer von uns, Mensch wie wir, nicht ein Übermensch geworden. Er schenkt uns eine Würde, die uns niemand nehmen kann. Gott zeigt, dass er an uns glaubt. So dürfen wir an uns selbst glauben, an die Güte unseres Herzens. Wir dürfen die Menschenfreundlichkeit und Güte im eigenen Herzen tragen. Es ist mehr mit uns anzufangen, als wir ahnen. Ein Text der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz zeigt, wie der Glaube an den neuen Anfang Gottes, den Anfang einer neuen Welt, dem Menschen jugendlichen Elan gibt: "Unser Glaube an eine neue Welt, / in der nicht Krieg, sondern nur der Friede gilt, / verleiht uns Füße, die Friedenswege finden, / mit Gottes Segen Gewalt das Ende künden. // Unsere Hoffnung von einer neuen Welt, / in der die Schöpfung ihr Daseinsrecht behält, / stärkt uns die Hände, ganz Neues aufzubauen, / mit Gottes Segen der Zukunft zu vertrauen. // Unsere Liebe zu einer neuen Welt, / in der Gerechtigkeit für keinen Menschen fehlt, / schenkt uns Herzen, die Not und Armut wenden, / mit Gottes Segen das Unrecht zu beenden. // Unser Traum von einer neuen Welt, / in der ein jeder von uns allen zählt: / Glaube, Hoffnung, Liebe und sein Segen / begleiten uns auf allen unseren Wegen. //"

Pater Damian Meyer

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 13.12.2002

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