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Bistum Görlitz

Ein eigener Platz für junge Leute

Finsterwalde: Neues Gebäude für Jugendliche der Flugplatzsiedlung / Bewohnertreff hat sich bewährt

Reden, kochen, zusammen sein: Jugendliche freuen sich über ihren neuen Club.

Finsterwalde (mim) -Inmitten einer abgelegenen grauen DDRPlattenbausiedlung außerhalb des Stadtkerns von Finsterwalde steht ein auffälliges Gebäude: Kunterbunt bemalt stellt es einen echten Farbfleck in der sonst so tristen Landschaft dar. "Bewohnertreff" steht dort in großen Buchstaben über der Tür, direkt darunter ein Caritas-Schild.

"Diese Siedlung hier nahe des Flugplatzes ist ein vergessenes Wohngebiet", sagt Beate Leis, Mitarbeiterin der Caritas-Nebenstelle Finsterwalde. "Die Verkehrsanbindung an die Stadt durch öffentliche Verkehrsmittel ist sehr schlecht. Niemand fühlt sich für dieses Gebiet zuständig. Bewohner dieser Siedlung haben kaum Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung." Rund 172 Haushalte sind noch unter den Dächern der Plattenbauten zu finden. Davon sind etwa ein Drittel von Spätaussiedlern bewohnt.

"Den Bewohnern hier musste einfach etwas geboten werden. Also haben wir 1996 zusammen mit einer kleinen Projektgruppe und unter der Trägerschaft der Caritas der Diözese Görlitz den Bewohnertreff ins Leben gerufen", so Frau Leis. Mit viel Arbeit und wenig finanziellen Möglichkeiten entstanden hinter den Wänden einer Ruine ohne Fenster und Türen ein Gruppenund ein kleiner Kinderraum.

Mit den Jahren wuchs das Interesse bei den Bewohnern ebenso wie das Angebot an Freizeitmöglichkeiten des Bewohnertreffs, so dass weitere Räume ausgebaut wurden. "Mittlerweile hatten wir eine Kochgruppe, eine Tanz- und eine Musikgruppe. Dazu kamen unregelmäßig stattfindende Feiern", so die Caritas Mitarbeiterin.

Um aber auch den Jugendlichen der Flugplatzsiedlung etwas bieten zu können, entstand 2001 die Idee, einen Jugendclub zu gründen. "Als wir das Projekt im Wohngebiet vorstellten, waren alle gleich voller Tatendrang", erzählt Annett Ai, die als Sozialarbeiterin im Bewohnertreff tätig ist. Ein weiterer Teil von der Ruine sollte renoviert und umgebaut werden. "Sofort erklärte sich ein Kern von rund zehn Jugendlichen und einigen Erwachsenen aus den umliegenden Wohnblocks bereit, eine Planungsgruppe ins Leben zu rufen, um ,ihren' Treffpunkt ein wenig mitgestalten zu können", so Frau Ai. Große Unterstützung erfuhr das Projekt auch vom ansässigen Rotary-Club. Überzeugt von der Wichtigkeit eines solchen Jugendtreffs standen die Rotarier der Planungsgruppe mit Arbeitsund Materialleistungen tatkräftig zur Seite. Im Februar begann der Umbau: Trennwände und Toilettenanlagen wurden eingebaut, Heizungs- und Abwasserrohre verlegt und auch die Elektrik erneuert. "Es gab Tage, da haben wir bis abends um 21 Uhr gearbeitet", so Frau Ai.

Am 28. November wurde der Club jetzt eingeweiht. "Nun haben wir endlich einen Treffpunkt, wo wir plaudern können, einen Kaffee trinken können und keiner schmeißt uns raus", sagt ein Jugendlicher. Noch ist die Einrichtung der Räume etwas dürftig, aber mit der Zeit sollen eine Kochecke, eine Couch und eine Theke den Jugendclub noch bereichern.

"Irgendwann in der Zukunft schwebt uns auch vor, hier Bands aus der Umgebung spielen zu lassen", sagt Frau Ai. "Zumindest haben die Jugendlichen der Flugplatzsiedlung nun seit zwei Wochen einen schönen Ort, an dem sie sich von montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr aufhalten können."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 13.12.2002

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