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Bistum Erfurt

"Mir konnte keiner was anhaben"

Für ihr Buch "Opas Engel" bekam Jutta Bauer den Kinderbuchpreis der Bischofskonferenz

Engel gehören zu unserer Kultur: Jutta Bauer (links) mit Moderatorin Ulrike Greim.

Erfurt (as) -Kann eine nicht religiöse Frau ein religiöses Buch schreiben? Sie kann. Bewiesen hat das die Hamburger Cartoonistin Jutta Bauer mit ihrem Buch "Opas Engel", für das sie den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz bekommen hat. Auf Einladung des Katholischen Forums und des Karstadt- Kaufhauses stellte sie im "Stadtgespräch" am 5. Dezember in Erfurt ihr neues Werk vor -und weil das Thema Engel nicht nur in der Adventszeit Bedeutung hat, gesellte sich gleich noch ein Fachmann dazu und sprach über die theologische Bedeutung der Engel: Augustinerpater Matthäus Klein aus Göttingen.

"Opas Engel" ist der Lebensrückblick eines Großvaters auf dem Sterbebett. "Junge, mir konnte keiner was anhaben", erzählt er seinem Enkel, der ihn im Hospiz besucht. Als Kind kam er auf dem Schulweg jeden Morgen an einer Engelsfigur vorbei, die er kaum wahrgenommen hat. Dieser Engel nun begleitet den Jungen auf dem Lebensweg, rettet ihn vor Gefahren wie großen Hunden oder Räubern, sitzt später mit ihm im Schützengraben, während die Bomben drumherum einschlagen. Der Engel ist dabei, als er sich verliebt, selbst Vater wird und ein Haus baut. "Eigentlich war es schön" und "Ich hatte viel Glück gehabt", sagt der Großvater am Ende seines Lebens. Als er stirbt und sein Enkel das Hospiz verlässt, hat auch der Engel eine neue Aufgabe.

Jutta Bauer wollte ein Kinderbuch schreiben, aber es ist auch eins für Erwachsene geworden. "Das muss der Leser entscheiden, was es für ihn ist", sagt sie bescheiden. Die ursprüngliche Idee zu diesem Buch war, etwas "Witziges" zu machen. Ein weiterer Ansatz: Die Eltern ihrer Generation sterben langsam aus und halten selbst Rückblick. Warum gerade das Thema Engel, wo sie sich doch selbst nicht als religiös bezeichnet? "Engel sind Figuren, die zu unserer Kultur gehören", sagt Jutta Bauer. Eine wichtige Botschaft: Das gelungene Leben ist nicht selbstverständlich, denn es gibt viele, die eben kein Glück gehabt haben. Aber, so die Moderatorin Ulrike Greim vom Mitteldeutschen Rundfunk: "Engelvorstellungen haben Konjunktur: Seminare und Workshops, die Kontakte mit Engeln versprechen.

Davor kann Augustinerpater Matthäus Klein nur warnen. Die Kirche sei mit dem Thema vorsichtig, selbst die biblischen Zeugnisse seien spärlich. "Engel sind Boten Gottes. Ähnlich wie Träume zeigen sie Möglichkeiten, wie Gott sich mitteilt". In der Liturgie spielen Engel eine große Rolle, im Glaubensalltag vor allem durch "Deutung". Im Rückblick könne der Mensch vielleicht zu einem anderen sagen: Da warst du für mich wie ein Engel. Das Buch von Jutta Bauer zeige auch eine wichtige menschliche Erfahrung: Die Freundschaft. Letztlich bleibt für die Autorin vieles Geheimnis: "Manchmal war es sonderbar".

Jutta Bauer:
Opas Engel,
Carlsen-Verlag 2002,
Preis: 11 Euro.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 50 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 13.12.2002

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