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Bistum Magdeburg

Hoffnung für die Straßenkinder

Neues Kinderheim "Roncalli 3" in Burgas eingeweiht / Generalvikar dankte allen Beteiligten

In Festtagskleidung zur Einweihung von

Magdeburg / Burgas (rl) -"Roncalli 3" -dahinter verbirgt sich ein Heim für ehemalige Straßenkinder im bulgarischen Burgas. Es bietet 30 Jungen und Mädchen im Alter von vier bis 16 Jahren ein Zuhause. Am 9. November wurde es eingeweiht und gleich als "das schönste Haus von Burgas" bezeichnet.

Generalvikar Theodor Stolpe ist die Einrichtung ein persönliches Anliegen. Zu seinem 70. Geburtstag hatte er sich anstelle von Geschenken Geld zur Unterstützung des Kinderheims gewünscht. Unter Zuhilfenahme dieses Geldes konnte die Inneneinrichtung der Gemeinschaftsräume im Wert von 25 000 Euro finanziert werden.

Mit der Eröffnung von "Roncalli 3" kann nun 30 Kindern Hoffnung für die Zukunft eröffnet werden. Es ist dem Engagement vieler zu verdanken, dass dies möglich wurde: dem Diözesan- Caritasverband Magdeburg, der Ortskenntnis und Vermittlung von Herrn Djouglarski, der MBN Montagebau GmbH, die neben der Vorfinanzierung des Umbaus die Heimküche im Wert von 40 000 Euro sponserte, dem Architekturbüro Assmann, das die Planungskosten komplett übernahm, und dem Siedlungswerk St. Gertrud, bei dem das komplette Projektmanagement lag.

Bei einer Dankeschön-Veranstaltung am 25. November würdigte Generalvikar Stolpe die Leistungen aller Beteiligten, ihr außergewöhnliches Engagement und die gelungene Zusammenarbeit. Anfangs seien es Karin Alms vom Bischöflichen Ordinariat und Abteilungsleiterin Gabriele Mertens von der Caritas gewesen, die die Not der Kinder in Bulgarien besonders bewegte, erinnerte Stolpe.

Die Situation sei nicht mit der in Deutschland zu vergleichen, so der Generalvikar. Viele Kinder würden aufgrund der akuten Not sogar von ihren eigenen Eltern dazu gezwungen, auf der Straße zu leben und als streunende Banden selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Der Beginn einer Karriere in Richtung Kriminalität, Diebstahl und Abhängigkeit. Das Elend sei vielerorts zu sehen und beinahe deprimierend.

Mit Hilfstransporten wurden unmittelbar nach der Wende die ersten Zeichen der Hilfsbereitschaft von Magdeburg nach Burgas geschickt. Seit 1995 geht es darum, konkret den Straßenkindern zu helfen. Dafür baute die Caritas zunächst provisorisch eine Versorgung mit Mahlzeiten und Waschgelegenheiten im ersten Haus "Roncalli" auf. Doch es bestand keine Möglichkeit, die Kinder dauerhaft zu betreuen und ihnen auch über Nacht Unterschlupf zu bieten. Ein erstes kontinuierliches Angebot für die Straßenkinder konnte mit der Eröffnung von "Roncalli 2" im Jahre 1997 gemacht werden. Doch die räumlichen Möglichkeiten mit Platz für 15 Kinder waren auch hier begrenzt. Eine andere Lösung wurde gebraucht.

Neben der größeren Kapazität bietet das neue Heim "Roncalli 3" nun auch eine große Küche, eine Werkstatt und einen Computerraum. Wenn aus den Kindern Jugendliche werden, können sie im Haus eine Ausbildung erhalten -eine wichtige Voraussetzung, um in die Selbstständigkeit entlassen werden zu können.

Zum pädagogischen Konzept gehört die Qualifikation und Weiterbildung der fünf bulgarischen Mitarbeiterinnen. Sie und die Kinder bekommen dabei auch Deutsch-Unterricht. So können sie im nächsten Jahr zu Praktika in die Bundesrepublik kommen. Kurz vor Weihnachten werden die Mädchen und Jungen ihr neues Domizil in Besitz nehmen. Und zum Fest werden erstmals aus der großzügig ausgelegten Küche 70 warme Mahlzeiten an die Bedürftigen der katholischen Gemeinde in Burgas ausgereicht. Im Moment sind die Kosten für Grundstück und Umbau privat beziehungsweise durch die MBN Montagebau GmbH als Vorkosten getragen. Die laufenden Kosten im kommenden Jahr haben ein Gesamtvolumen von 96 200 Euro. Davon werden insgesamt 25 000 Euro vom Diözesan-Caritasverband Magdeburg und dem Bistum Magdeburg übernommen. Für die verbleibenden 71 200 Euro gibt es noch keine Zusagen. Angefragt sind Renovabis und der Staat Bulgarien.

Um das Projekt am Leben zu halten, ist noch weitere "Wohl- Täterschaft" nötig, sagte Diözesan- Caritasdirektor Franz-Peter Jorgol bei der Dankveranstaltung. Jede Spende für das Straßenkinderhaus sei willkommen. Besonders gebraucht würden noch Betten (Ein Bett kostet umgerechnet 100 Euro.) Eine warme Mahlzeit für die Kinder gibt es für 1,15 Euro. Mit 35 Euro kann die Versorgung für einen ganzen Monat gesichert werden.

Wer das Engagement für die Straßenkinder unterstützen will: Diözesan-Caritasverband, Tel. (03 91) 6 05 31 22.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 49 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Freitag, 13.12.2002

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