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Bistum Erfurt

Die Schwachen nicht ausgrenzen

Abschluss des Caritas-Jahresthemas / Elisabethtag für ehrenamtliche Mitarbeiter

Aufmerksam: Beim Elisabethtag für Ehrenamtliche.

Erfurt (as) -"Wenn die Liebe das Haus baut, hat das Haus offene Türen", ertönt es aus den Lautsprechern. Das Lied, vom Chor des Gymnasiums der Bergschule St. Elisabeth in Heiligenstadt gesungen, ist eine Einladung an die Teilnehmer, die zum Abschluss des Jahresthemas der Caritas am 14. November ins Erfurter Waisenhaus gekommen waren. Eine Einladung, Vorurteile abzubauen und Verständnis zu zeigen. "Mittendrin draußen: psychisch krank" lautete das Thema der Caritas in diesem Jahr. Und dass es immer noch Vorurteile gegenüber psychisch Kranken gibt, zeigte ein Referat des Chefarztes der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Katholischen Krankenhaus in Erfurt, Stefan Demmers.

Ursache von Vorurteilen ist Unkenntnis

Vorbehalte, so Demmers, entstünden vor allem durch Unwissenheit. Dabei sei eine psychische Erkrankung gar nicht so selten. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden daran, die Gesamtkosten im Gesundheitswesen liegen immerhin noch bei 18 Prozent. Erschreckend sei, dass rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland bei psychisch Kranken eine Gefahr für die Öffentlichkeit sehen. Demmers informierte weiterhin über die Bedeutung der Krankheit, Diskriminierungserlebnisse bei Betroffenen und über Behandlungsmöglichkeiten bei psychischen Erkrankungen.

Die anschließende Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Politik, psychosozialer Beratung und Betroffenenverbänden, machte noch einmal die Wichtigkeit des Themas deutlich. Die Thüringer Landtagsabgeordnete Johanna Arenhövel (CDU) betonte, dass es darauf ankomme, vor allem die eigenen Kräfte der psychisch Kranken zu stärken. In einer immer unsicherer werdenden Zeit müsse man zudem zeigen, "dass die Schwachen nicht ausgegrenzt" werden dürfen. Deshalb lege sie Wert darauf, dass die ambulante Behandlung Vorrang vor der stationären hat.

Das Jahresthema der Caritas stand auch im Mittelpunkt des Elisabethtages für die ehrenamtlichen Mitarbeiter am 16. November in der Bildungsstätte St. Martin in Erfurt. Ärzte und Seelsorger berichteten über ihre Arbeit mit Betroffenen. Ilona Dennert, ehemalige Grundschullehrerin aus Mühlhausen, erzählte von ihrem eigenen Weg als psychisch Kranke. Erfahrungen von Einsamkeit, Isolation und Unverständnis gehörten ebenso dazu wie Schuldgefühle und Selbstzweifel. "Freunde und Bekannte wandten sich ab. Erst durch meinen Mann erfuhr ich, dass ich für die Schule, in der ich arbeitete, nicht mehr tragbar bin", beschreibt sie das Verhalten ihrer Umwelt. Erst nach jahrelangen Klinikaufenthalten und einer neuen Behandlungsmethode besserte sich ihr Zustand. "In kleinen Schritten geht es bergauf, ein Tief kann auch Platz für einen Neubeginn schaffen", sagt Frau Dennert.

Diözesan-Caritasdirektor Bruno Heller bedankte sich bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Gemeinden für ihr Engagement. Die Sozialverbände seien aber nicht der "Pannendienst" der Sozialarbeit. Es sei ein Skandal, wenn Menschen heute Hilfe versagt bleibe. So sei das diesjährige Caritas-Jahresthema auch eine Problemfeld, das nicht "abgeschlossen" sein dürfe.

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 47 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Mittwoch, 11.12.2002

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