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Bistum Görlitz

Besonderen Draht zu blinden Menschen

Seit über 31 Jahren widmet Bernhard Kube Sehbehinderten seine Freizeit

Bernhard Kube: 'Wir sind dazu da, um anderen Freude zu machen.'

Spremberg (mim) -Für die Mitglieder der Gemeinde Spremberg gehört es zum gewohnten Bild: Einmal im Monat betritt Bernhard Kube (78) -dicht gefolgt von drei seiner Schützlinge -die Pfarrkirche zum Sonntagsgottesdienst. Sie laufen in einer Reihe hinter Kube her, halten sich fest an den Händen. Liebevoll führt er sie zu den Kirchenbänken, bis sie sicher in der ersten Bank Platz genommen haben. Die drei sind froh, dass sie jemand begleitet, denn sie sind blind.

Bereits seit 31 Jahren steht Bernhard Kube allen Sehbehinderten in Spremberg mit Rat und Tat zur Seite. "Damals waren es dreißig Blinde, die ich betreut habe", erzählt er. "Mit den Jahren sind schon einige von ihnen gestorben, so dass ich heute noch für sechs Sehbehinderte sorge." Auch nach all den Jahren macht Bernhard Kube sich noch immer jeden Mittwoch auf den Weg in das Behindertenwerk e.V. in Spremberg. Dort geht er zu jedem Einzelnen ins Zimmer, begrüßt ihn und nimmt sich für jeden so viel Zeit wie notwendig ist. "Ich schreibe vor allem viel für die Blinden, ob das nun Briefe sind an Angehörige, wenn es die denn noch gibt, oder Anträge an Behörden." Und schmunzelnd fügt Kube hinzu: "Ich will gar nicht wissen, wie viele Briefe ich in all den Jahren schon geschrieben habe."

Aber auch Gespräche machen einen wichtigen Teil der Blindenbetreuung aus. "Viele haben kaum noch jemanden zum Reden. Da sind sie richtig froh, wenn mal einer zu Besuch kommt. Dann mache ich auch gern mal ein paar Späße und bringe sie zum Lachen", so Kube über sein Engagement, bei dem ihm seine humorvolle Art zugute kommt. Auch an Wochenenden widmet er des Öfteren seine Freizeit den Blinden. Der leidenschaftliche Autofahrer macht dann Ausflüge mit ihnen oder arrangiert Treffen mit weit entfernt wohnenden Verwandten, die er eigens dafür nach Spremberg fährt. Zudem ist der 78-Jährige auch bei zweiwöchigen Urlaubsfahrten immer gern als Fahrer zur Stelle.

Schaut der gelernte Werkzeugmacher und Maschinenmeister auf die Anfänge seines Einsatzes für die Blinden zurück, so war es letztendlich ein schwerer Schicksalsschlag in Kubes Leben und sein fester Glaube an Gott, der ihn zu einer derart sozialen Aufgabe bewegte. "Vor über 30 Jahren bin ich schwer krank geworden. In der Zeit habe ich viel gebetet und habe immer gesagt: ,Wenn ich diese Krankheit überstehe, dann will ich mich für andere einsetzen, denen es nicht so gut geht'", so sagt er. Bernhard Kube konnte die Krankheit besiegen.

Kurz darauf fragte ihn eine Bekannte, ob er sie bei der Blindenbetreuung unterstützen wolle. Darin sah Kube seine Aufgabe und kurze Zeit später war er zum ersten Mal im Blindenheim, um sich dort mit seinen zukünftigen Schützlingen vertraut zu machen. Mit überzeugender Selbstverständlichkeit sagt er: "Dafür sind wir doch alle auf die Welt gekommen, um das Gebot der Nächstenliebe zu erfüllen und anderen Freude zu machen."

Diese Freude bereitet er den Blinden, unermüdlich jede Woche aufs Neue. Wilhelmine Devits, stolze 98 Jahre alt, ist eine Bewohnerin des Behindertenwerks in Spremberg. Breits seit 1971 nimmt sie die Hilfe von Bernhard Kube in Anspruch. In den vergangenen 31 Jahren hat sich eine richtige Freundschaft zwischen den beiden entwickelt: "Wenn der Herr Kube kommt, dann muss ich ihn immer erst ganz fest drücken. Er hat immer einen Witz parat und ist ja schon beinahe für mich sowas wie mein Mann." Und Kube fügt hinzu: "Bei Frau Devits bleibe ich immer mindestens eine halbe Stunde. So viel haben wir uns zu erzählen."

Eine derart lange soziale Tätigkeit bleibt nicht unbemerkt. Im Juni 1989 hat Kube von Papst Johannes Paul II. die kirchliche Auszeichnung "Benemerenti" verliehen bekommen. Die päpstliche Verdienstmedaille zeichnet Menschen aus, die sich besonders in ihrer Gemeinde und für das Wohl anderer einsetzen. "Besonders anzuerkennen ist ihr selbstloser Einsatz bei der Betreuung der Blinden in Spremberg", heißt es im dazu gehörigen Brief des damaligen Bischofs Bernhard Huhn.

Seitdem sind schon wieder 13 Jahre vergangen, in denen Kube für die Blinden von Spremberg da war. Auf die Frage, wie lange er das noch machen will, antwortet der gläubige Christ: "Das ist mein Hobby, so wie andere Angeln gehen. Und das werde ich so lange machen, bis der Herrgott mich zu sich zu holt."

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 46 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 14.11.2002

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