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Aus der Region

Kampfansage oder Dialog mit Muslimen

Kurienkardinal Kasper erinnert an Konzilserklärung - Bischof Krenn poltert gegen Türken

Frankfurt am Main / Hamburg - Die Ansichten könnten kaum gegensätzlicher sein: Während Kurienkardinal Walter Kasper in diesen Tagen an das Gebetstreffen der Weltreligionen in Assisi zu Beginn dieses Jahres erinnerte, das er als "neuen Schritt im religiösen Bewusstsein der Menschheit" wertete, formulierte der österreichische Bischof Kurt Krenn eine Kampfansage an den Islam. Der als ultrakonservativ geltende Krenn sieht die Welt vor einer neuen Entscheidung zwischen Christentum und Islam. Unter Hinweis auf historische Schlachten gegen die Türken im 16. und 17. Jahrhundert erklärte der St. Pöltener Bischof, schon zwei Mal seien große Entscheidungen vor Wien gefallen, "und jetzt stehen wir vor der dritten." In diesem Zusammenhang sprach er sich gegen einen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union aus. "Ich glaube nicht, dass wir zusammenpassen", unterstrich er. Europa müsse christlich sein.

Mit dieser klaren Absage an den Islam steht der österreichische Bischof auch im Gegensatz zu der Konzilserklärung "Nostra aetate" über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen, deren Bedeutung Walter Kasper gerade jetzt nochmals hervorhob.

Achtung vor Muslimen

"Mit Hochachtung betrachtet die Kirche die Muslime, die den alleinigen Gott anbeten", heißt es diesem Dokument. Da es jedoch im Laufe der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslimen gekommen sei, ermahne die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens für alle Menschen, hebt das Dekret hervor. Bewahrung des Friedens ist der Kern dieser Botschaft und gewissermaßen die Nagelprobe auf die Redlichkeit allen religiös untermauerten Tuns. Der Islam allerdings wird zur Zeit eher als Bedrohung empfunden, die Angst erzeugt und in Aggression umzuschlagen droht: Selbstmordattentate fanatisierter Muslime, Steinigung von Frauen in fundamen-talistischen islamischen Staaten, Angriffe auf Ordensleute in asiatischen und afrikanischen Ländern. Hat Krenn also Recht mit seinem Urteil und seiner Verurteilung dieser abrahamitischen Religion? "Die Bevölkerung macht sich wahrscheinlich nicht die Mühe, genau zu unterscheiden, aus welchen Motiven in der islamischen Welt der Terrorismus um sich greift", entgegnet die Leiterin der Dokumentationsstelle christlich-islamische Begegnung in Frankfurt/Main, Barbara Huber-Rudolf. Sie verweist im Gespräch mit dieser Zeitung beispielsweise auf bewährte Praktiken des Miteinander von Christen und Muslimen.

Tag der Welt-Religionen

Die zentrale Veranstaltung des bundesweiten "Tages der Welt-Religionen" am 14. November in Hamburg bietet dazu erneut Gelegenheit. So wollen an diesem vom "Runden Tisch der Religionen in Deutschland" veranstalteten Programm beispielsweise Schüler der Sankt-Ansgar-Schule gemeinsam mit der evangelischen Wichern-Schule mit Vertretern der Religionen darüber diskutieren, was getan werden könne, um Frieden zu sichern, wie es um das Gewaltpotential der Religionen bestellt sei und ob sie möglicherweise selbst Teil dieses Problems seien. "Das Interesse an diesem Thema ist sehr groß", erklärt dazu der Beauftragte für die Schulseelsorge an St. Ansgar, Jürgen Brinkmann.

Und noch ein Ereignis steht unmittelbar bevor, das geeignet ist, Urteile zu überprüfen und Vorurteile abzubauen: Am kommenden Dienstag wird im thüringischen Sonneberg die deutschlandweite 23. Ökumenische Friedensdekade eröffnet. Sie will christliche Gegenbilder von Angst wie Zutrauen, Geborgenheit, Verlässlichkeit, Liebe und Barmherzigkeit in den Mittelpunkt dieser zehn Tage stellen.

Michael Dorndorf/kna

Dieser Beitrag wurde veröffentlicht in Ausgabe 45 des 52. Jahrgangs (im Jahr 2002).
Aufgenommen in die Online-Ausgabe: Donnerstag, 07.11.2002

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